Interview: Treysaer Geologe spricht über die Erdbebengefahr in der Region

Dr. Gerald Näser

Treysa/ Korbach. Bei dem Beben in der Region waren die Folgen unterschiedlich stark spürbar. In Korbach begannen Gegenstände in Gebäuden zu wackeln, in Schwalmstadt spürten nur einige wenige den Erdstoß. Wir sprachen mit dem Treysaer Geologen Dr. Gerald Näser über die Erdbebengefahr in der Region.

Woran liegt es, dass das Beben in Korbach stark und beispielsweise in Schwalmstadt kaum zu spüren war?

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Dr. Gerald Näser: „Vereinfacht gesagt sind die Gesteinsschichten in Korbach andere als etwa in Treysa. Die Region ist in einer anderen Baugrundklasse eingestuft. Die dortigen Untergrundverhältnisse leiten die Erdbebenwellen besser weiter, so wird die Erschütterung deutlicher spürbar.“

Wie ist das Erdbeben einzuordnen?

Näser: „Das ist für den hiesigen Raum beachtlich. Erdbeben sind überhaupt erst ab einer Stärke von 3,5 wahrnehmbar. Ab 4,5 merkt man sie deutlich – da können schon Teller aus dem Regal fallen. Es ist aber wichtig zu wissen, dass die Erdbebenstärke in einer logarithmischen Skala angegeben wird. Das heißt, die Stärke 5 ist zehnmal stärker als 4, die Stärke sechs hundert Mal stärker als 4 und so weiter. Dies bedeutet, dass unser Erdbeben keinesfalls mehr als halb so stark war wie das in Haiti, das bei 7 lag. Denn 7 ist 1000 Mal stärker als 4.“

Wie gefährdet ist Nordhessen durch Erdbeben?

Näser: „Erdbebenzonen sind in Stufen eingeteilt. Für Nordhessen gilt Stufe Null. Wir sind erdbebentechnisch Niemandsland. Dennoch können in Ausnahmefällen, wie jetzt, Ereignisse auftreten. Für Erdbebenzone Null gelten beim Bau von Häusern keinerlei Vorgaben, die Häuser gegen die Krafteinwirkung durch Erdbebenwellen sichern zu müssen. Bei modernen Häusern ist eine Stärke von 4,5 aber unproblematisch. Die Erdbebenzone 1 gilt etwa rund um Darmstadt und Köln. Stufte 3 gilt am Rheingraben.“

Quelle: HNA

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