HNA-Interview

Treysaer Guido Knopp zum letzten Mal im ZDF zu sehen

Chefhistoriker: Knapp drei Jahrzehnte leitete der gebürtige Treysaer Guido Knopp die ZDF-Redaktion für Zeitgeschichte. Am Sonntag ist seine letzte Sendung im Zweiten zu sehen – der Historiker setzt sich zur Ruhe. Foto: ZDF

Schwalmstadt. 28 Jahre leitete der Historiker Guido Knopp die Redaktion Zeitgeschichte beim ZDF. Nun geht der gebürtige Treysaer in Rente, am Sonntag ist er zum letzten Mal im Zweiten zu sehen.

Seine Geschichtsdokumentationen zur besten Sendezeit machten ihn bekannt. Wir sprachen mit Guido Knopp über seine Kindheit in Nordhessen und seine Lieblingspersönlichkeiten der Geschichte.

Herr Knopp, Sie wurden in Treysa geboren und lebten als Kind in Neustadt. Welche Erinnerungen haben Sie an unsere Region? Guido Knopp: Als ich zwei Jahre alt war, zogen meine Eltern und ich bereits nach Aschaffenburg. Danach verbrachte ich oft die Ferien bei meinen Großeltern in Neustadt. Das war das Paradies meiner Kindheit. Mein Cousin und ich streiften durch die Felder und Wälder. Auch halfen wir oft bei der Ernte.

Besuchen Sie Ihren Cousin hier noch?

Knopp: Leider nein. Das sollte ich ändern.

Schwälmer Geschichte: Haben Sie sich damit einmal auseinandergesetzt?

Knopp: Mein Schwerpunkt ist nicht die Regionalgeschichte, aber die grobe historische Entwicklung des Schwälmer Raumes ist mir natürlich bekannt.

Gewannen Sie den Eindruck, dass Geschichte heute in der Schule anders vermittelt wird als früher?

Knopp: Sie wird besser vermittelt als früher. Der Geschichtsunterricht für viele meiner Altersgenossen war eher langweilig. Ich hatte einen sehr guten Geschichtslehrer, er setzte immer Schallplatten und Tonbänder ein. Heute greifen die Lehrer auf neue Medien zurück. Auch laufen unsere Filme in vielen Gymnasien.

Wie lässt sich Ihrer Meinung nach Geschichte interessant und verständlich aufarbeiten?

Knopp: Es ist wichtig, die richtigen Themen zur richtigen Zeit zu finden. Für eine Dokumentation ist wichtig: gut geschnittene Archivsequenzen, Aussagen von Zeitzeugen, digitale Aufarbeitung, um beispielsweise Schlachten darzustellen und Spielszenen. All das macht Geschichte interessant.

Was unterscheidet Ihre Dokumentationen denn von einem Spielfilm?

Knopp: Ein Spielfilm hat viele Freiheiten, so können Dialoge verändert werden. Wir sind der Wahrhaftigkeit verpflichtet.

Werden Sie oft nach der Kritik gefragt, die andere Historiker an Ihnen üben?

Knopp: Gelegentlich. Ich antworte dann immer: Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen.

Ihr Schwerpunkt ist die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Haben Sie eine Lieblingspersönlichkeit?

Knopp: Ich finde Claus Schenk Graf von Stauffenberg (beging 1944 ein Attentat auf Hitler. Anmerk. d. Red.) bewundernswert. Wir wissen auch, warum sein Attentat gegen Hitler gescheitert ist. Wäre die zweite Bombe in seiner Aktentasche explodiert, wäre Hitler weggewesen und der Welt viel Leid erspart geblieben.

Und wenn Sie über eine zeitgenössische Persönlichkeit in, sagen wir 50 Jahren, eine Dokumentation machen könnten: Wer wäre das?

Knopp: Michail Gorbatschow. Ich finde besonders die Zeit von 1989 bis 1990 interessant, da wandelte er sich vom Gegner zum Befürworter der deutschen Wiedervereinigung. Diesen Prozess würde ich gern dokumentieren.

Was erwartet denn die Zuschauer in Ihrer letzten Sendung am Sonntag?

Knopp: Das weiß ich selbst noch nicht. Denn ich durfte die Sendung noch nicht sehen. Es wird aber ein paar Highlights und auch ein paar Parodien auf mich zu sehen geben.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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