Rettung aus der Luft

40 Jahre Christoph 7: Drei Wolfhager gehören zur Besatzung

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Im Einsatz: Rettungshubschrauber Christoph 7 bringt den Notarzt zusammen mit dem Rettungsassistenten in Minutenschnelle zum Patienten. Vor Ort wird entschieden, ob der Patient in eine Klinik geflogen wird oder ob er im Notarztfahrzeug in ein Krankenhaus gefahren wird.

Wolfhagen. Der Rettungshubschrauber Christoph 7 wird im Dezember 40 Jahre alt. Vom Dach des Roten Kreuz Krankenhauses in Kassel startet die Maschine in ihr Einsatzgebiet in Nordhessen, Nordrhein-Westfalen und Südniedersachsen mit einem Radius von 70 Kilometern.

Zum Rettungsteam gehören drei Männer aus dem Wolfhager Land – Pilot Oliver Kaminski aus Wolfhagen von der Fliegerstaffel der Bundespolizei in Fuldatal, Rettungsassistent Robert Kurz aus Ippinghausen und Rettungsmediziner Markus Oettermann aus Altenhasungen.

Rettungsassistent Kunz liebt den Ausblick von oben

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Die Weidelsburg sticht selbst aus der Luft betrachtet aus der Landschaft heraus. Für den im Jahr 2001 zugezogenen Ippinghäuser Robert Kurz (38) ist das natürlich besonders schön. „Dort oben ist immer was los, auch an Werktagen“, sagt der Rettungsassistent, der seit dem Jahr 2006 im Christoph 7 unterwegs ist. Schön sei auch der Dörnberg, wegen der Segelflieger mache der Hubschrauber um die Erhebung aber eher einen großen Bogen. 1200 Einsätze absolviert Rettungshubschrauber-Besatzungsmitglied Kurz pro Jahr.

Zwei Aufgaben fallen in seinen Zuständigkeitsbereich: Mit der Leitfunkstelle steht er im engen Kontakt, und er navigiert den Piloten zum Einsatzort. „Dafür habe ich bei der Bundespolizei extra einen Lehrgang besucht“, erläutert Kurz, der sich während seiner Freizeit bei der Ippinghäuser Feuerwehr als stellvertretender Wehrführer engagiert.

Neben seinem Job als Co-Pilot assistiert er dem Notarzt. Er verabreicht bestimmte Medikamente, sorgt dafür, dass die medizinischen Geräte einsatzbereit sind und meldet in den Krankenhäusern die Patienten an. „Nur jeder dritte Patient wird mit dem Hubschrauber geflogen“, sagt Kurz. Die meisten werden im Rettungsfahrzeug transportiert.

Der Rettungsassistent: Robert Kurz aus Ippinghausen. In der Luft ist er Navigator, am Boden kümmert er sich um Patienten.

In 70 Prozent aller Fälle wird der Hubschrauber zu internistischen Einsätzen gerufen – also zum Beispiel zu Infakten und Schlaganfällen. Hoch ist auch der Anteil an Flügen zu Heimen für Senioren. Die übrigen Einsätze entfallen auf Unfälle. Bei denen gelte es Menschen mit Poli-traumata zu versorgen.

Robert Kurz ist aber nicht nur im Christoph 7 gefragt. In einem Zeitraum von sieben Wochen fliegt er zwei Wochen im Helikopter, drei Wochen schiebt er im Rettungsfahrzeug Dienst und in den übrigen zwei Wochen steht er als Springer zur Verfügung, dann wird spontan entschieden, ob er am Boden oder in der Luft benötigt wird. Das Spannende an seinem Job ist für den 38-jährigen Vater von drei Kindern die Abwechslung. „Jeder Einsatz ist anders.“ Erst vor Ort, wenn sich die Hubschrauber-Besatzung einen Überblick über die Situation verschafft habe, wird entschieden, was zu tun ist.

Pilot Kaminski hat Heimvorteil

Wo er die Maschine landet, entscheidet Pilot Oliver Kaminski (45) in der Luft. Ab einem Gefälle von zwölf Prozent wird es haarig, sagt der Polizeihauptkommissar aus Wolfhagen, der bei der Fliegerstaffel der Bundespolizei in Fuldatal arbeitet. Sportplätze, Felder, Wiesen seien optimal, eng bebaute Städte dagegen eher problematisch. Und ob der Hubschrauber überhaupt abheben kann, sei abhängig vom Wetter. „Wir benötigen eine gute Sicht“, sagt der Pilot. Hindernisse wie Leitungen und Bauwerke müssten deutlich auszumachen sein, schließlich werde die Maschine manuell gesteuert, anspruchsvoll seien die Starts und Landungen.

Der Pilot: Oliver Kaminski aus Wolfhagen. Der Polizeihauptkommissar gehört der Bundespolizei Fliegerstaffel in Fuldatal an.

Den Christoph 7 fliegt der 45-Jährige bereits seit elf Jahren. Auch auf dem Christoph 2, der für die Luftrettung im Raum Frankfurt zuständig ist, ist Kaminski im Einsatz. Flüge ins Wolfhager Land seien für ihn eher selten. „Das hängt damit zusammen, dass es dort eine gute Versorgung mit Notärzten gibt.“ Dennoch kann der Bundespolizist bei Flügen ins Wolfhager Land seinen Heimvorteil ausspielen. „Es ist ein Vorteil, wenn man das Gelände kennt, in dem man unterwegs ist.“

Für einen jungen Menschen mag die Fliegerei ein Traumjob sein. Das sei bei ihm nicht anders gewesen. Inzwischen sei seine Einstellung erwachsener geworden. „Wir rücken im Prinzip zu negativen Anlässen aus.“ Doch wenn die Besatzung unterwegs sei, mache sie eine sinnvolle Tätigkeit. „Wir bringen medizinische Hilfe und transportieren Patienten in ein adäquates Krankenhaus“, sagt der gebürtige Wolfhager.

Die Schicksale, mit denen er bei seinen Einsätzen konfrontiert wird, lassen ihn bei aller Professionalität nicht unberührt. Kaminski erlebt, dass Menschen bei Unfällen schwer verletzt werden, dass sie sterben. „Klar kommt es dann vor, dass meine Gedanken zu den Angehörigen wandern“, sagt er.

So dramatisch die Szenen am Boden auch sein mögen, in der Luft öffnet sich für den Piloten eine andere Welt. Dann sieht er die Schönheit der Landschaft. „Es gibt ganz wunderbare Sonnenuntergänge und Regenbögen.“ Trotz des Lärms im Helikopter mache sich in der Luft eine gewisse Ruhe breit.

Etwa 100 Einsätze für Notarzt Oettermann

Als Kind beobachtete Markus Oettermann (53) den Christoph 7 am Himmel, bis er hinterm Horizont verschwand. „Auf so einer Kiste wirst du irgendwann fliegen. Das habe ich damals gedacht, sagt der Anästhesist, der über Zusatzausbildungen zum Rettungsmediziner, Palliativmediziner und Schmerztherapeuten verfügt. Vor knapp zwei Jahren hat er sich diesen Traum erfüllt. Zwei bis drei Mal im Monat übernimmt Oettermann, der in Kassel aufgewachsen ist und inzwischen in Altenhasungen lebt, Dienste in der Luftrettung.

Wenn über die Leitfunkstelle Kassel ein Notruf eingeht, gibt es zwei Optionen: Entweder der Notarzt muss innerhalb kürzester Zeit zum Patienten gebracht werden. Christoph 7 hebt immer dann ab, wenn er schneller ist als ein Rettungswagen und/oder ein Notarzteinsatzfahrzeug. Oder aber der Patient muss zügig in eine Spezialklinik transportiert werden.

Der Notarzt: Markus Oettermann aus Altenhasungen. Seit zwei Jahren gehört er zum Team. Pro Jahr fliegt er 100 Einsätze.

Dass Oettermann in seine Heimat zurückgekehrt ist, ist eher ein Produkt des Zufalls. Er habe als Palliativmediziner arbeiten wollen, und dann war plötzlich am Roten Kreuz Krankenhaus in Kassel eine Stelle frei. Dass diese auf demselben Flur angesiedelt ist, auf dem sich auch die Zentrale der Luftrettung befindet, war ein deutlicher Fingerzeig.

Pro Jahr absolviert der 53-Jährige etwa 100 Einsätze. Seine Aufgabe ist es, Leben zu retten. Und er liebt diesen Job. An der Situation, in die die Menschen geraten sind, könne er nichts ändern – die Unfälle zum Beispiel könne er nicht verhindern. „Aber ich kann helfen, wenn ich dort bin“, sagt Oettermann.

Vor 40 Jahren, als es den Christoph 7 noch nicht gab, da habe die Rettung ganz anders ausgesehen. Bis ein Helferteam beim Patienten war, seien wertvolle Minuten verstrichen. Der Hubschrauber fliegt mit 220 Stundenkilometern und schneller durch die Luft. Die Geschwindigkeit, mit der die Maschine unterwegs ist, entscheidet über Leben und Tod. „Dabei muss man sich im Klaren sein, dass der Christoph 7 Luxus ist, wenn auch sinnvoller Luxus“. sagt der Arzt. In Frankreich sei die Luftrettung längst nicht so leistungsstark wie in Deutschland. In Rumänien habe man erst begonnen, die Luftrettung aufzubauen.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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