Junge, deutsche Beat-Szene  fand Mitte der 60er-Jahre in der Schwalm statt

50 Jahre "Petards": Erinnerungen an die Kultband aus der Schwalm

Schrecksbach. Vor 50 Jahren gaben die Petards aus Schrecksbach ihre ersten Konzerte. Erinnerungen an die Kultband:

The Petards waren in den 60ern und 70ern eine der erfolgreichsten Beat-Rockbands in Deutschland, sie erreichten europaweit Kultstatus. 1965 spielten die Studenten Klaus und Horst Ebert, Rüdiger Waldmann und Hans Jürgen Schreiber in den Semesterferien unter dem Bandnamen „The Petards“ (Die Knallfrösche) ihre ersten Beatkonzerte.

Walter Simon (66) aus Schrecksbach, Begleiter seit der ersten Stunde, erinnert sich: Bei diesen Beatpartys spielte die Band in der Regel um die fünf Stunden ausschließlich gecoverte Songs aus den englischen und amerikanischen Hitparaden, und zwar dicht an den Originalen. Schnell habe sich eine große Fangemeinde gebildet, „was in England die Beatlemania war, war in der Schwalm plötzlich die Petardsmania“.

Erste Schallplatten

Ein knappes Jahr später kamen die ersten beiden Schallplatten heraus. Die Ebertbrüder und Rüdiger Waldmann wurden Profimusiker, Hans-Jürgen Schreiber stieg aus und studierte weiter. Für ihn kam mit Arno Dietrich „ein Drummer der absoluten Spitzenklasse“ zur Band.

Lexikon-Wissen:

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Es folgte die erste Langspiel-Platte mitdem Titel „A Deeper Blue“, es wurden über 100 000 Stück verkauft. Zur gleichen Zeit wurde in Schrecksbach das Kino geschlossen. Simon: „Wir haben den Kinosaal kurzerhand in ´The Petards-Club‘ umbenannt und zum Headquarter (englisch: Hauptquartier) der Petards umfunktioniert.“

Hier wurden Konzerte veranstaltet, geprobt und eigene Stücke eingespielt. Simon: Ab 1967 ist die Band mit ihren eigenen Stücken regelmäßig auf den vorderen Plätzen der deutschen Hitparaden vertreten und im europäischen Ausland erfolgreich.

Mit der Waldbeat-Show am Schrecksbacher Gemeindewald wurde das erste Open-Air-Rockkonzert in Deutschland gegeben, mehrere Tausend Beatfans bevölkerten die Straßen von Schrecksbach und den Gemeindewald.

In den folgenden Jahren wurde das Petards-Open-Air auf die Burg Herzberg verlegt, es wurde zu dem Treffen der deutschen Rockmusikszene, dem Herzberg-Festival. Simon: „Durch die zentrale Lage in der Mitte Deutschlands wurden Schrecksbach und der Petards-Club zu einem beliebten Treffpunkt der Beatszene, fast alle bekannten deutschen Gruppen sind hier aufgetreten oder haben einfach mal vorbei geschaut.“

1000 Live-Auftritte

Die Band spielte von 1965 bis 1971 über 1000 Live-Veranstaltungen und hatte über 400 eigene Fan-Clubs, sie spielte im legendären „Olympia“ in Paris und war als erste westliche Band zur Zeit des Prager Frühlings auf Stadiontournee in der Tschechoslowakei. Es gab 15 TV-Auftritte, 16 Singles und sieben Langspielplatten. Hits waren zum Beispiel „Pretty Liza“, „Misty Island“ und „Shoot Me Up to The Moon“.

1972 war Schluss

Am 3. September 1972 packten die Petards im Western-Club in Wiesbaden zum letzten Mal ihre Instrumente aus. Die meisten Bandmitglieder nahmen ihr Studium wieder auf. Aus dem Petards-Club in Schrecksbach wurde Walter Simons Diskothek Mylord.

Eine Neuformation der Band durch Drummer Arno Dietrich mit anderen Musikern im Jahr 2002 konnte den alten Erfolg nicht noch einmal erreichen.

Rüdiger Waldmann lebt in Schwalmstadt, Klaus Ebert im Ausland. Horst Ebert starb im Alter von 71 Jahren im Oktober 2014.

Revival-Party 

Back to the Sixties „In Memories of the Petards“ findet am Samstag, 5. Dezember, im Mylord in Schrecksbach statt. DJs der Ära präsentieren die Hits der Beat- und Flower-Power-Zeit, das Programm der Petards wird gespielt, auch Live-Musik ist geplant. Walter Simon hofft, dass viele der alten Fans aus mehr als 400 Fanclubs zusammen kommen.

Samstag 5. Dezember, 20 Uhr, der Eintritt kostet 5 Euro.

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Quelle: HNA

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