Michael Zielinski kam 1990 aus der DDR: Seine Arbeitsbescheinigungen gingen verloren

30 Jahre sind wie ausgelöscht

Ratlos und traurig: Michael Zielinski kann 30 Jahre Arbeit in der DDR nicht nachweisen und bekommt dadurch eine geringe Rente. Foto: Holscher

Homberg. Michael Zielinski atmet schwer. Er setzt sich in seine Sitzecke aus Holz und fasst sich mit der Hand an die Brust: „Ich habs am Herzen, habe eine neue Herzklappe und einen Herzschrittmacher“, sagt er.

30 Jahre hat er in der DDR gearbeitet, bis er 1990 aus Berlin nach Homberg kam. Die Arbeitsnachweise wie der Sozialversicherungsausweis aus dieser Zeit sind weg. Und damit 30 Jahre seines Arbeitslebens. Die Rente des 66-Jährigen beträgt dadurch nur 280 Euro.

Jetzt sitzt er mit seiner Frau Christiane am gekachelten Wohnzimmertisch vor den Schreiben der Rentenversicherung und ist ratlos.

Dabei begann mit der Ausreise in den Westen zunächst eine gute Zeit: 1990 beschloss der Maler Ost-Berlin zu verlassen. Über Umwege kamen sie nach Homberg. „Dort haben wir bei der Diakonie in der Untergasse, die das Arbeitsamt unterstützt hat, meine kompletten Unterlagen abgegeben“, erklärt Zielinski. Relativ schnell bekam er Überbrückungsgeld und fand wieder Arbeit. „Alles war gut und ich war zufrieden“, sagt er mit Berliner Akzent. Doch als der Rentenbescheid 2010 kam, fiel er aus allen Wolken. „Meine Arbeitsbücher, Arbeitsnachweise und Sozialversicherungsausweis habe ich ja damals abgegeben. Jetzt kann ich nicht nachweisen, dass ich in der DDR gearbeitet habe. Deshalb komme ich nur die Rente für die neun Jahre, die ich seit 1990 gearbeitet habe“, sagt Zielinski. Und weiter: „30 Jahre meine Lebens sind weg, wo ist mein Leben geblieben?“

Niemand weiß, wo die Unterlagen sind: Es habe zu keiner Zeit eine Kooperation zwischen dem Arbeitsamt und der Diakonie bestanden, teilte Michael Pohl von der Diakonie mit. Auch bei der Arbeitsagentur sind die Dokumente nicht aufgetaucht. Die Rentenkasse hat bereits selbst Nachforschungen angestellt, doch die Betriebe, die Zielinski als Arbeitsplatz in der DDR angegeben hat, existieren nicht mehr. Sie wurden nach der Wende abgewickelt.

Suche nach früheren Kollegen

„Irgendwo müssen die Dokumente doch sein“, sagt Zielinski, der sich absolut sicher ist, dass er seine Originaldokumente damals abgegeben hat. „Meine Frau hat ihre doch auch dort übergeben und später wieder bekommen“, erklärt er. Die Lösung wäre, wenn der Maler ehemalige Arbeitskollegen aus seiner DDR-Zeit finden würde, die bestätigten, dass er in den angegebenen Betrieben gearbeitet hat. Das Problem: „Ich kann mich nur an wenige Namen erinnern. Ich habe privat doch kaum etwas mit den Kollegen gemacht. Wir haben jedem misstraut.“ Die Betriebe bei denen er arbeitete, hat er aufgelistet. Seine Tochter, die in Berlin lebt, hat schon Recherchen unternommen, jedoch vergeblich. Er selbst kann nicht mehr nach Berlin fahren: „Ich bin leider nicht mobil wegen meines Herzen.“

Das Geld für seine 30-jährige Arbeit in der DDR wird er vermutlich nicht mehr bekommen. Davon geht auch Zielinski aus. „Ich find es einfach eine Sauerei.“

Quelle: HNA

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