Saxophonist Mulo Francel und seine Freunde gastierten in der Hospitalskapelle

Jazz für Fans und Allergiker

Begeisterten das Publikum: von links Pianist David Gazarov, Saxophonist Mulo Francel, Bassist Sven Faller und Schlagzeuger Robert Kainar. Foto: Rose

Treysa. Zwischen Lachen und Weinen, tiefer Melancholie und ausgelassener Fröhlichkeit dürfte sich auch das beschreiben lassen, was die Gäste in der ausverkauften Hospitalskapelle am Samstagabend erlebten: Saxophonist und Klarinettist Mulo Francel - vielen bekannt durch „Quadro Nuevo“ - gastierte mit seinen Freunden in Treysa.

Neues in alten Räumen - das ist seit fünf Jahren der Wahlspruch von Stefan Reitz und vielen engagierten Helfern. Seit fünf Jahren holen die Schwälmer immer wieder hochkarätige und außergewöhnliche Musiker in die Hospitalskapelle, seit fünf Jahren tauchen die Zuhörer tief in die Seele der verschiedenen Musikstile ein.

In hochkarätiger Besetzung stellte Francel seine CD „Escape“ vor. Der Stil bewegte sich irgendwo zwischen dem klassischen Jazz der 1950er- und 1960er-Jahre, gleichzeitig schien es aber, als lavierten sich die Vier bewusst durch die Maschen der gängigen Muster und der Alltagsberieselung hindurch.

An Francels Seite standen Robert Kainar am Schlagzeug, Sven Faller am Bass und der aus Baku stammende Ausnahmepianist David Gazarov. „Euch merkt man an, dass ihr nicht nur einfach zusammen spielt, sondern dass es euch riesigen Spaß macht“, sagte Stefan Reitz.

Und diesem Spaß gab sich das Publikum gute zwei Stunden mit absoluter Hingabe hin: feurig, lateinamerikanische Rhythmen wechselten mit kubanischem Walzer, Bossanova für Goethe oder subtil und eindringlich klingenden, vertonten Reiseerinnerungen.

Selbst kuriose Gewürze erfuhren dank des unverwechselbaren Spiels ihre extravagante Farbe. „Ich hoffe, wir können heute Abend Jazz-Fans und Jazz-Allergiker begeistern“, sagte Mulo Francel. Der Wunsch dürfte ausnahmslos in Erfüllung gegangen sein: Das Publikum war ebenso präsent wie die Musiker selbst. Immer wieder gab es spontan frenetischen Applaus.

Jeder der vier Musiker fand sich in Francels Arrangements perfekt wieder, jeder brillierte sowohl am Instrument als auch im gemeinsamen Spiel. Dabei ging es den Musikern in erster Linie um Begegnungen unterschiedlichster Natur, aber auch um das Abenteuer an sich.

Der fast schon nostalgische Blick auf Vergangenes ließ erstaunlicherweise vieles in neuem Licht erscheinen. Mulo Francel, Robert Kainar, Sven Faller und David Gazarov gelang es ausnahmslos, Perspektiven, Ausblicke, Einblicke und Möglichkeiten zu eröffnen – und das allein mit der Sprache der Musik.

Als absolut außergewöhnlich präsentierte sich der hochvirtuose Pianist David Gazarov, der in der internationalen Klassik- und Jazzszene als Ausnahmeerscheinung gilt. Sein Solo, ein verjazzter Gospel, setzte dem Konzertabend die Krone auf - das letzte Tüpfelchen auf dem ‘i’.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare