Nassenerfurth: Jetzt gibt es einen Treffpunkt im Edeka

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Verkäuferinnen mit Leib und Seele: Elke Stehling (links) und Rosel Buchholz betreiben einen Edeka-Laden in Nassenerfurth.

Nassenerfurth. „Ich will ein Eis, ein Gummibärchen-Eis“, sagt der Junge, als er den Edeka-Laden in Nassenerfurth betritt. Elke Stehling weiß genau, welches Eis er meint, sie greift in die Kühltruhe und reicht es ihm rüber.

Auch sonst weiß sie, wie ihre Kollegin Rosel Buchholz, ganz genau, was ihre Kunden wollen, was sie rauchen, trinken und essen. Und natürlich kennen sie ihre Kunden beim Namen, die meisten duzen sie. Das Edeka in Nassenerfurth ist einer jener Läden, die selten geworden sind.

Seit 15 Jahren führen ihn Buchholz und Stehling gemeinsam, und die Zeiten sind nicht besser geworden. Seit der Umstellung auf den Euro gehe das Geschäft schlechter, beklagt Buchholz. Im Vergleich zu den Eröffnungsjahren sei der Umsatz um zwölf Prozent eingebrochen, überschlägt sie.

Ans Aufhören haben sie schon oft gedacht, aber sie wollten das Projekt Edeka nicht mit Schulden beenden. Also machen sie weiter, vor allem aber, weil sie ihren Beruf mögen. In den sind die beiden hinein gewachsen, als der Vorgänger das Geschäft abgab.

Jetzt versuchen sie es mit einer kleinen Neuerung im Geschäft. Zunächst wurde das Sortiment verkleinert. So gibt es eben nur noch Gummibärchen einer Marke statt vorher zwei und nicht jede Sorte Deodorant, erläutert Buchholz.

Dadurch entstand Platz für zwei Tische und ein paar Stühle sowie einen Kaffeeautomaten – ein Punkt mitten im Dorf, an dem sich die Nassenerfurther treffen und miteinander plaudern können.

Damit wollen die Betreiberinnen ihre Kunden an den Laden binden. „Wir brauchen die Unterstützung der Leute aus dem Dorf“, sagt Elke Stehling. Sollte es den Laden irgendwann nicht mehr geben, müssten die Dorfbewohner wegen jeder Kleinigkeit nach Borken fahren, sagen sie.

Die meisten Waren kosteten in Nassenerfurth genauso viel wie in jedem anderen Edeka-Markt, erläutert Rosel Buchholz. Nur wenige Dinge wie etwa die Milch seien ein paar Cent teurer. Auch die Sonderangebote der Handelskette gibt es im kleinen Laden.

Die beiden Frauen hängen an ihrem Geschäft, Rosel Buchholz wohnt ihr Leben lang in Nassenerfurth. Als sie zehn Jahre alt war, eröffnete das Geschäft, das sie heute betreibt. Viele der treuesten Kunden, die alles bei ihnen kauften, seien nicht mehr am Leben, sagt sie.

Und doch gibt es die Momente, für die sich der Aufwand und die Arbeit lohnen. Elke Stehling erzählt von den Kindern, die freudestrahlend im Laden stehen. Und die bekommen dann einen Lutscher. Aufs Haus.

Quelle: HNA

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