Interview mit Steffi Hoffmann und Jasmin Küllmer vom Felsberger Mädchentreff über die Kampagne "Not Heidis Girl" 

"Jedes Mädchen sollte seinen eigenen Weg finden"

+
Beim Verkleiden zu verrückten Themen kann man mehr Spaß haben, als beim Modeln: Steffi Hoffmann und Jasmin Küllmer vom Mädchentreff in Felsberg. 

Felsberg. Auf Instagram gibt es derzeit eine Gegenbewegung zu Heidi Klum und ihrer Show Germany´s Next Top Model. Unter dem Motto „Not Heidis Girl“ äußern immer mehr junge Frauen ihren Unmut über die umstrittene Show mit den verzerrten Schönheitsidealen. Wir sprachen dazu mit Steffi Hoffmann, Sozialpädagogin und Leiterin des Mädchentreffs in Felsberg und Jasmin Küllmer, einem Mädchen aus dem Treffpunkt.

Sie wettern seit Jahren gegen Heidi Klum und ihre Show, haben sogar mal gesagt, dass Heidi eine Gefahr für die Mädchen ist. Warum?

Steffi Hoffmann: Heidi treibt Mädchen in den Magerwahn. Viele, gerade ganz junge Frauen, können nicht differenzieren und wollen so dünn und erfolgreich sein wie sie. Das führt dazu, dass nicht nur die Teilnehmerinnen hungern, auch die Mädchen vorm Fernseher schlucken Schlankheitspillen. Das ist echt gefährlich.

Jasmin Küllmer: Ganz normale Mädchen identifizieren sich mit den Models und wollen so sein wie Heidi. In den Shows beschämt sie Teilnehmerinnen wegen ihres Körpers. Das grenzt für mich an Körperverletzung.

Was ist so schlimm an Heidis Verhalten in den Shows?

Hoffmann: Heidi erniedrigt mit ihren Bewertungen die Frauen. Keine ist wirklich gut, Nichts ist okay. Das ist kein guter Umgang mit einem Menschen und schwächt das Selbstbewusstsein.

Es geht ihr nur darum, Geld zu machen mit der Show. Und keine der bisherigen Teilnehmerinnen ist wirklich ein Top-Model geworden. Da wird mit Träumen gespielt, aber was kommt am Ende dabei heraus? Vielleicht sind einige der Mädchen in der Katalogwerbung - mehr nicht.

Küllmer: Ich finde es gut, dass Heidi mal ihr Fett wegkriegt. Diese verzerrten Ideale sind furchtbar. Die Menschen sind doch so unterschiedlich. Wir Mädchen doch auch. Ich werde nie in Größe 34 passen. Dafür bin ich nicht gebaut und das ist gut so. Schade, dass immer noch viele so werden wollen wie Heidi.

Wie ermutigen Sie die Mädchen?

Hoffmann: Vielfalt ist wichtig. Jedes Mädchen sollte seinen eigenen Weg finden. Es gibt nun einmal unterschiedliche Figuren.

Aber genau das ist in Ordnung. Ich sage immer, es ist okay, wie du bist. Außerdem ist der Geschmack unterschiedlich. Ich versuche, die Mädels zu stärken und sie nicht zu entmutigen.

Also Heidi zeigt ein völlig verkehrtes Ideal?

Hoffmann: Ja, das ist doch alles nicht realistisch. Ich versuche, den Mädchen zu zeigen, dass man auch Spaß haben kann, wenn man nicht irgendwelchen Idealen entspricht. Wir haben etwa im Mädchentreff alternative Modeschauen veranstaltet mit verrückten Mottos zu Themen wie „so hässlich wie möglich “ oder “So albern wie es geht“, sind aber auch normal über den Steg gelaufen. Das hat das Modeln ein wenig gerade gerückt in den Köpfen der Mädchen. Der normale Gang über den Laufsteg war nämlich immer am langweiligsten.

Modeln ist also insgesamt verwerflich?

Hoffmann: Das heißt nicht, dass ich gegen das Modeln an sich bin. Wenn das jemand gerne machen möchte, bitte. Auch kann man seinen Körper lieben, sich pflegen und schön machen. Das ist alles okay und gehört ja auch zum Frausein dazu. Aber ich bin froh, dass es Gegenbewegungen zu den Extremen von Heidi Klums Show gibt.

Woran kann es liegen, dass so viele sich bewusst gegen den Heidi-Rummel wenden?

Hofmann: Die Frauen scheinen gelernt zu haben, wie gefährlich es ist, so dünn zu sein. Dazu kommt vielleicht auch, dass die Zeit der Show vorbei ist. Es gibt sie seit nahezu zehn Jahren. Da wird vieles dann doch langweilig.

Küllmer: Vielleicht haben auch die neuen Formate über kurvige Modelle einiges mit dazu bei getragen. Es ist schön, dass immer mehr normal gewichtige Frauen in den Fokus der Werbung geraten.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare