Serie "Alte Berufe": Jens Karasek ist seit 26 Jahren Dampflokführer

Wolfhager Land/Kassel. Der Schweiß steht Jens Karasek auf der Stirn. Nicht nur die hochsommerlichen Temperaturen machen dem 49-Jährigen zu schaffen, sondern vor allem die Hitze in der Lok. Der Maschinenbauingenieur ist seit 26 Jahren Dampflokführer und kennt sich mit dem 73 Jahre alten Stahlross bestens aus.

Mehrmals im Jahr fährt der Kasseler für die hessische Museumseisenbahn Hessencourrier die alten Dampf-Loks.

Für den Ingenieur hat die Bahnstrecke durch das Wolfhager Land ihren ganz besonderen Reiz. „Wir haben steile Anstiege und dann wieder Gefälle“, betont Jens Karasek. Schon früh entdeckte der Kasseler seine Liebe zu den alten Loks.

Für den Eisenbahnbetriebsleiter ist die Arbeit des Dampf-Lok-Führers mehr als ein Hobby. „Mich beeindruckt die einfache Technik“, betont der 49-Jährige. Man könne in den meisten Fällen Probleme mit relativ wenigen Mitteln selbst reparieren.

Um Dampflokomotivführer zu werden, sollte man nicht nur eine Maschinenschlosserausbildung in der Hand, sondern 180 Tage als Heizer gearbeitet und mindestens 30 Ausbildungsfahrten absolviert haben. Das dauere gute fünf Jahre, so der Kasseler. „Der Lokführer ist für die Sicherheit und die Technik verantwortlich.“

Technisches Wissen notwendig: Auch kleine Reparaturen während der Fahrt müssen (von links) Heizer Lars Sonnenschein und Dampflokomotivführer Jens Karasek selbst beheben. Mit dem großen Schlüssel wird die Dampfsteuerung leicht korrigiert.

Den Beruf des Dampf-Lok-Führers gebe es bereits seit Anbeginn der Dampflokomotiven. Das war 1829 The Rocket in England und 1835 der Adler in Deutschland. „Das war damals ein riesen Spektakel, als die Höllenmaschine mit 40 Stundenkilometer von Nürnberg nach Führt fuhr“, sagt der Kasseler. Die Ärzte machten sich damals Sorgen, dass die Gesundheit der Fahrgäste unter dieser Geschwindigkeit leiden könnte.

Es sei schwer, Nachwuchs an Dampflokführern zu finden. „Bei den Ausbildungsfahrten wird den Leuten schnell die Verantwortung bewusst, sodass sie es sich nicht mehr trauen“, sagt der Kasseler. Schwierig sei nicht nur die Bergauffahrt, sondern vor allem das Bremsen bei schlechtem Wetter. „Wenn die Schienen im Herbst glatt sind, dann ist es sehr anspruchsvoll, den Zug sicher ins Tal zu bringen.“

Jens Karasek als Lokführer traut es sich – und das schon seit 26 Jahren. „Die größte Belohnung sind die strahlenden Kinderaugen bei den Nikolausfahrten.“ Der Dampflokführer wünscht sich für die Zukunft: „Dass der Hessencourrier in der Region noch mehr Unterstützung und Anerkennung erfährt.“

Von Johanna Uminski

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © HNA/Uminski

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