Jesberger kommen auch ohne Auto von A nach B

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Wollen das Umsteigen aufs Rad und Mietauto erleichtern: Daniela Möller und Michael Schramek vom gemeinnützigen Verein „Vorfahrt für Jesberg“

Jesberger haben ein neues Konzept für Mobilität auf dem Lande entwickelt, das auf Elektrofahrzeuge setzt und auf Mitfahrgelegenheiten. 

Das ist ein schneller Erfolg: Nur ein Jahr nach seiner Gründung gilt der Verein „Vorfahrt für Jesberg“ als gemeinnützig. Damit kann er nun noch besser auf das große Ziel hinarbeiten: Zeigen, dass ein Leben ohne Auto möglich ist. Selbst auf dem Lande. „Vorfahrt für Jesberg“ geht viele neue Wege, um das zu beweisen.

Demnächst werden die neuen Mitfahrbänke aufgestellt: Die Raiffeisenbank Borken finanziert die Sitzgelegenheiten, auf denen sich Menschen niederlassen können, die auf eine Mitfahrgelegenheit zu Ärzten, Läden, Rathaus und zurück in die Wohnorte warten. Damit Autofahrer sehen, wohin die Reise gehen soll, werden Schilder gedruckt, die aufs Ziel hinweisen. Die Kreissparkasse Schwalm-Eder finanziert sie.

Es geht ohne Zweitwagen

Damit, sagt Schramek, erhöht sich das Potenzial der Nutzer der neuen Ideen. Und diese Nutzer haben internationale Gesichter. Denn auch die pakistanischen Flüchtlinge, die in Jesberg leben, profitieren von den Ideen des Vereins.

Zahid Khan fährt mit dem elektrischen Lastenrad regelmäßig Gartenabfälle zur Kompostierung am Bauhof, er erledigt Wege und Arbeiten, lernt so auch schneller Deutsch.

Die Kreisverwaltung hat dem Verein nahe gelegt, sich dafür um den Hessischen Förderpreis für Integration zu bewerben – Schramek und Möller haben auch das auf den Weg gebracht.

Geld fürs Zweitauto sparen

Die beiden strahlen Zuversicht aus. Zuversicht, dass die Zahl der Fahrzeuge, der Mitglieder und Kunden wieter steigt. In ganz Deutschland habe keiner der rund 120 Car-Sharing-Vereine nach kurzer Zeit so viele Fahrzeuge und noch dazu den Status der Gemeinnützigkeit erlangt, sagt Schramek stolz. Er ist überzeugt davon, dass man nicht zig Autos in der Familie braucht, dass eines durchaus reicht.

Aber Schramek will nicht missionieren, die Leute nicht bekehren. Er will nur zeigen, dass man viel Geld für Blech und Versicherung für einen Zweitwagen sparen und trotzdem von A nach B kommt oder seine Einkäufe mit dem Elektro-Lastenrad nach Hause schaffen kann. Selbst in Jesberg, das ja keinen Mangel an Hügeln und Steigungen aufweist, komme man damit gut voran, der Akku gibt viel Schwung. Dennoch ist der Verzicht auf das Auto für viele Menschen noch unvorstellbar. Viele sähen einen Umstieg auf Fahrzeuge, die einem nicht selbst gehören, sehr skeptisch, sagt Schramek.

Schwere Aufgabe

Ist es also nicht ein zu dickes Brett, das er da bohren will? „Nein, sagt der 51-Jährige, „die dünnen Bretter interessieren mich ja nicht.“

Ab März entsteht in der Bahnhofstraße hinter dem ehemaligen Schreibwarenladen ein Büro des Vereins samt Verleihstation für Räder und Wagen. Und damit ein weiteres Bohrloch im dicken Brett.

Kontakt: Michael Schramek, Tel. 0176/621 922 89,

Quelle: HNA

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