Aktion zum Lutherjahr

Jesberger Schreiner Trus hat einen Thesenbaum aufgestellt

Der Apfelbaum aus dem Garten wurde zum Thesenbaum in der Schreinerei: Gunnar Trus aus Jesberg ruft die Menschen in der Region dazu auf, einen Satz zu formulieren, der für ihr Leben wichtig ist, und den als These anzunageln. Foto:  Brandau

Jesberg.  Gunnar Trus aus Jesberg hat einen Thesenbaum in seiner Schreinerei aufgestellt. Da können die Menschen jene Sätze annageln, die ihnen wichtig sind. Und das noch bis zum Reformationstag (31. Oktober).

Dann will Trus die Zettel abnehmen und schauen, welche grundsätzlichen Themen es sind. Auf die Idee kam Trus durch die vielen Berichte zum Reformationsjahr. Überall, sagt der 56-Jährige, sei von den Thesen die Rede, die Luther damals an die Kirchentür in Wittenberg nagelte, doch kaum jemand habe eine klare Vorstellung davon, was denn eine These überhaupt ist.

Und genau da ist Trus’ Ansatz: Er sieht das Reformationsjahr als super Gelegenheit, das eigene Leben zu überdenken und sich selbst Fragen zu stellen. Was ist wirklich wichtig fürs eigene Dasein? Welche Gedanken helfen oder tragen durchs Leben? Für welche Position, Idee, Überzeugung steht man ein?

Die Antworten darauf stellen jene Thesen dar, die der Schreiner und Bestatter aus der Kellerwaldgemeinde herauskitzeln möchte.

Er will einen Anreiz zum Nachdenken schaffen und damit den Begriff Reformation (Erneuerung) von der doch eher abstrakten auf die ganz persönliche Ebene hieven.

Luther setzte sich in seinen Thesen mit dem Ablasshandel auseinander, stellte damit die damals in Beton gegossenen Regeln der Kirche in Frage. Trus aber geht es eher ums Persönliche: Die Menschen heute hätten die Chance, sich mit dem Leben zu beschäftigen, ihren Glauben, ihre Gedanken und Vorstellungen zu hinterfragen und zu erneuern.

Gunnar Trus’ Hoffnung ist es, dass viele Menschen eine These entwickeln. Und die ihm zukommen lassen, damit er sie an den Stamm des Apfelbaums anschlagen kann. Am 31. Oktober will er die Zettel wie Früchte vom Apfelbaum ernten. Und dabei sichten, ob es einen oder mehrere gemeinsame Nenner gibt, also bestimmte Gefühle, Hoffnungen, Gedanken gibt, die sich wie ein roter Faden durch die Thesenzettel ziehen.

Es ist übrigens kein Zufall, dass der Thesenbaum ein Apfelbaum ist. Der stand zuvor bei Gunnar und Yvonne Trus im Garten, musste weichen, damit jüngere Bäume besser wachsen können, was man auch als eine kleine Reformation bezeichnen könnte.

Aber als Trus den alten Baum im Garten sah, fiel ihm ein Lutherzitat ein: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ Damit war die Idee zum Themenbaum geboren. Jetzt gilt es, sie zu nutzen.

Quelle: HNA

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