Jetzt ist Klartext angesagt: SPD-Politiker zur Nominierung von Martin Schulz

Kennen sich gut: Der Gudensberger Bundestagskandidat Dr. Edgar Franke (links) mit dem designierten Kanzlerkandidaten und SPD-Vorsitzenden Martin Schulz am Mittwoch bei einer Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion. Foto: privat

Fritzlar-Homberg. Martin Schulz scheint der neue Hoffnungsträger der SPD zu sein. Wir fragten sozialdemokratische Politiker aus Fritzlar-Homberg, was sie vom möglichen Kanzlerkandidaten halten.

Für Unshausens Ortsvorsteher Dieter Corpataux kam Gabriels Verzicht „völlig überraschend und unvorhersehbar“. Er findet seinen Alleingang enttäuschend. Der Vorsitzende hätte sich an den Parteifahrplan halten und seinen Rücktritt erst am Wochenende bekannt geben sollen - wenn sich der Parteivorstand trifft. Für Martin Schulz beginnt ein neuer Abschnitt in seiner politischen Laufbahn: „Er war in der Europäischen Union ganz oben, jetzt fängt er ganz unten an“, sagt Corpataux, der ihm die Kanzlerkandidatur zutraut.

Robert Koch zollt Sigmar Gabriel großen Respekt. Gabriel stehe dazu, dass Martin Schulz bei der Bundestagswahl bessere Karten hat als er. „Viele andere Politiker würden das aussitzen“, ist sich der Fraktionsvorsitzende der Bad Zwestener SPD sicher. Mit Schulz habe die Partei einen, der klare Kante zeige. „Wir brauchen jemanden, der Klartext redet“ und auf Augenhöhe mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sei.

Michael Kreutzmann, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Fritzlar geht davon aus, dass die SPD mit Martin Schulz als Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten wieder stärker soziale Themen in den Vordergrund rücken wird. „Und er weiß natürlich, dass wir Europa zusammenhalten müssen.“ Mit der Entscheidung für Schulz sei er sehr zufrieden.

Die SPD sei zuletzt kaum mehr wahrgenommen worden, obwohl sie in wichtigen Bereichen wie dem Mieterschutz und beim Mindestlohn wichtige Meilensteine gesetzt habe.

„Ich bin sehr froh, dass Martin Schulz jetzt der Kanzlerkandidat der SPD ist“, meinte der Gudensberger Bundestagsabgeordnete Dr. Edgar Franke. Er spreche die Sprache der Menschen, nehme sie auch emotional mit und sei nicht zuletzt durch seine Biografie glaubwürdig, in der es Höhen und Tiefen gegeben habe.

Franke geht davon aus, dass es zur Bundestagswahl im Herbst „den politischsten Wahlkampf seit langem“ geben wird. Schulz wolle keine Koalitionsaussage treffen, sondern strebe mit der SPD eine eigene Mehrheit an.

Richtungswahl

Der Gudensberger rechnet damit, dass wir vor einer Richtungswahl stehen. „Es entscheidet sich, ob wir eine solidarische Gesellschaft wollen oder noch mehr Individualismus“, sagte er.

Und: „Wir müssen auch weiter international denken und dürfen keine Angst vor einer offenen Gesellschaft haben.“

Von Heinz Rohde und Anke Laumann

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare