Jetzt schwingt der Klöppel

Glocke der Heimat auf dem Gensunger Heiligenberg repariert

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Ganz enge Baustelle: Glockenmonteur Ulrich Ellersiek hatte im Torbogen auf dem Heiligenberg wenig Platz für die Reparaturarbeiten. Die Glocke erhielt neue Aufhänge-Armaturen, der Klöppel wurde fachmännisch gesichert und funktioniert jetzt einwandfrei.

Gensungen. Die aus Sicherheitsgründen vorübergehend stillgelegte Glocke der Heimat auf dem Heiligenberg kann wieder geläutet werden. Jetzt soll sie auch noch besser als zuvor klingen. Die Aufhänge-Vorrichtung und der Klöppel wurden fachmännisch repariert.

Die Kosten trägt der Landkreis, der Eigentümer des Heilgenberges ist, während die Felsburg dem Land Hessen gehört und die Altenburg im Privatbesitz ist.

„Wir sind dem Schwalm-Eder-Kreis sehr dankbar, dass er die Reparaturkosten in Höhe von 1100 Euro übernommen hat“, sagte Fritz Strack im Gespräch mit der HNA. Und der Ehrenvorsitzende des Heiligenbergvereins fügt hinzu: „Wir sind dankbar, dass die Glocke wieder erklingen kann und an die Heimatvertriebenen und den Tag der Heimat erinnert.“ Die Glocke wird mit der Hand geläutet - dazu zieht der Glöckner am Seil.

Am 20. Juli 1952 war die vom Kreisverband Melsungen der Heimatvertriebenen gestiftete Glocke eingeweiht worden. Zunächst hing sie in einem Holzgerüst. Von 1954 bis 1956 errichtete der Zweckverband Heiligenberg einen Torbogen. Seit dieser Zeit hängt die Glocke in einer kleinen Öffnung über dem Eingang zur Burg Heiligenberg.

Für den Glocken- und Läutemaschinen-Monteur Ulrich Ellersiek war die Reparatur eine Herausforderung. Die nur 70 Zentimeter breite Maueröffnung ist mit der normalen Glockenstube eines Kirchturms nicht vergleichbar. „Das ist alles eine Katastrophe“, sagte Ellersiek, als er erstmals auf dem Gerüst stand. „Alles ist unheimlich festgerostet“, lautete der Befund. Doch der Monteur löste alle Probleme. Walter Mark, Dieter Schmidt und Thomas Groß halfen dem Monteur, der die Heiligenberg-Idylle genoss: „Mal was anderes als ein Kirchturm.“

Jetzt funktioniert auch der Klöppel wieder einwandfrei. Er schlug an der falschen Stelle an, und so etwas kann zu einem Sprung der Glocke führen. Außerdem wurde eine Absturz-Sicherung eingebaut. Der Klöppel kann also nicht aus der Glocke herausfliegen. Bei frei hängenden Glocken kann ein abstürzender Klöppel lebensgefährlich sein.

Interessant ist, dass dieser Klöppel viel älter ist als die Glocke. Er wurde bei Ausgrabungsarbeiten gefunden, die der Heiligenbergverein nach dem II. Weltkrieg gestartet hatte. Normalerweise wird der Klöppel immer individuell für jede Glocke geschmiedet. In diesem Fall war es umgekehrt: Im Frühjahr 1952 bat der Kreisverband der Heimatvertriebenen die Glockengießerei Gebrüder Rincker in Sinn (Lahn-Dill-Kreis), eine Glocke zu gießen, die zu dem Klöppel passt. Die Glocke ist 92,5 Kilogramm schwer, hat einen Durchmesser von 55,5 Zentimetern und den Schlagton fis.

Die Glocke der Heimat hat die Produktionsnummer 7950. Die Glockengießerei Rincker besteht seit 1590 und ist die älteste Europas in Familienbesitz. Warum die Glocken erst seit 1859 gezählt werden, weiß Geschäftsführer Hanns-Martin Rincker nicht. Zahlreiche Glocken in der Region stammen aus der Werkstatt Rincker.

Von Manfred Schaake

Quelle: HNA

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