Kinder freuen sich

Joachim Kohlhaas ist Vorlese-Opa in der Villa Kunterbunt

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Spitzen die Ohren: Joachim Kohlhaas liest den Kindern im Gemeindekindergarten Villa Kunterbunt in Neumorschen vor. Er ist dort einer von insgesamt drei Vorlesern.

Morschen. Joachim Kohlhaas aus Altmorschen liest für sein Leben gern. Ob Sachbücher, Portraits über Politiker oder spannende Krimis lesen bedeutet ihm viel. Er ist er lesend großgeworden und hat sein Wissen mehr über das Lesen aufgenommen als über den Fernseher, sagt er.

Doch der 69-Jährige liest nicht nur selbst gern, sondern er liest auch gern anderen vor. Seit Juni ist er einer von drei Vorlesern im Gemeindekindergarten "Villa Kunterbunt" in Neumorschen. Unterstützt wird Kohlhaas von den Vorleserinnen Marie-Luise Früchel und Marlene Wehrmeister. Das Angebot der Vorleser und die Organisation hat der Verein der Mörscher Engel übernommen.

Jeden Mittwochvormittag marschiert Kohlhaas zum Gemeindekindergarten und liest vor allem den Vorschulkindern aus Sachbüchern vor. Manchmal sind es auch ein paar Kurzgeschichten. Schon auf dem Hof wird der Rentner von den Kindern erkannt und freudig erwartet. "Da kommt der Vorlese-Opa rufen die Kinder, wenn sie mich sehen", sagt Kohlhaas. Im Stuhlkreis nehmen die jungen Zuhörer Platz und warten gespannt, was ihr Vorleser heute zum Besten gibt. Kohlhaas hat am Vorlesevormittag genauso viel Spaß wie die Kinder. Er liest die Geschichten so lebendig, dass die Kinder an seinen Lippen hängen. Immer wieder senkt Kohlhaas seine Stimme, macht eine kleine Pause und zeigt den Kindern die Bilder im Buch.

"Ich freue mich immer auf das Vorlesen. Ich schalte einfach mal ab, wenn ich vorlese und ich gehe mit einer großen Dankbarkeit der Kinder wieder nach Hause", sagt Kohlhaas. Nach dem Vorlesen muss Kohlhaas mit den Kindern unbedingt noch spielen, vorher lassen sie ihren Vorlese-Opa nicht gehen.

Kohlhaas erinnert sich daran, dass ihm in seiner Kindheit seine Mutter auch viel vorgelesen hat.

"Ich bin in einer Zeit groß geworden, wo es noch keinen Fernseher gab. Als Kind habe ich daher schon viel gelesen, notfalls auch abends mit der Taschenlampe unter der Bettdecke. Das durften meine Eltern aber nicht wissen", erinnert er sich.

Von seinen Eltern hat er damals Bücher von Karl May oder Edgar Wallace geschenkt bekommen. Heute gibt er ein Stück davon zurück, vom Lesen und Vorlesen. Nicht nur seine vierjährige Enkelin Amelie kommt in den Genuss des Vorlesens, auch die Kinder im Gemeindekindergarten. Kohlhaas sagt: "Jeder Opa träumt doch davon, seinen Enkelkindern vorzulesen."

Von Christina Grenzebach

Quelle: HNA

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