Joan Armatrading im Kulturzelt: 400 Zuhörer wippen im Takt

+
Begeistert nach Anlaufschwierigkeiten mit Hits aus vier Jahrzehnten: Joan Armatrading.

Wolfhagen. Foto- und Filmaufnahmen wünscht die Künstlerin nicht. Nur die Presse darf. Die ersten drei Lieder. Ohne Blitz, von der Seite. Die Begrüßung durch Kulturmanager Wolfgang Frey passt ihr nicht in die Dramaturgie der Show, ein paar Minuten lässt sie noch auf sich warten.

Sie ist eben ein Star und das lässt Joan Armatrading auch spüren.

Als sie dann am Montagabend zu einem „Ladies and Gentlemen, Joan Armatrading“ die Bühne des Kulturzeltes betritt, ist dennoch schnell das Eis gebrochen. Ein Teil der Ansage schallt versehentlich nochmal aus den Lautsprechertürmen. Sie lacht, ist irritiert. Immer wieder versucht sie zurück ins Lied zu finden. Sie schafft es nicht, bricht ab. So sehr sie auch Star sein mag, Joan Armatrading ist eben auch nur ein Mensch, und das merken die rund 400 Besucher schnell.

Da ist sie, die warmherzige Sängerin mit karibischen Wurzeln, wie wir sie zuletzt vor zwei Jahren in der Kulturhalle erlebt haben. Schlichter schwarzer Dress, eine dreiköpfige Band brillanter Musiker im Hintergrund, jede Menge Gitarren und ein neues Album, das sie stolz präsentiert. „Starlight“ hat sie es genannt und bleibt auch darauf ihrem lässigen Stil treu. Jazz, Folk, Rock und natürlich eine gute Portion Blues, als Gesamtpaket dezent groovig verpackt. So lieben sie ihre Fans.

Geblieben ist auch die dunkel-warme Stimme der Lady, die vor allem bei den ruhigeren Titeln zur Geltung kommt und an Strahlkraft nichts verloren hat. „All the Way from America“ ist einer dieser Songs, der mitten ins Herz geht - und in die Hände. „Super-super-super-cool“, lobt die Armatrading das Bild der rund 800 im Takt zur Musik winkenden Hände.

Bei „Crazy“ wird es dann gefährlich für die Schenkel, die von vielen Besuchern kurzerhand zum Schlagzeug umfunktioniert werden. Der aufgesaugte Armatrading-Groove will eben irgendwie kompensiert werden, bei bestuhlten Konzerten wie im Kulturzelt bleibt da nur das muntere Klopfen auf den Beinen, wenn das Tappen mit den Füßen nicht mehr ausreicht und der Nacken vom lässigen Wippen schon schmerzt. Die „Woman in Love“ pfeift dann endlich auf Etikette und lockt erste mutige Tänzerinnen von ihren Plätzen. „Love & Reflection“, „Show some Emotion“, „Best Dress on“ … Jetzt packt Armatrading ihre bekanntesten Titel aus vier Jahrzehnten Musikgeschichte aus. Den größten Hit, den hebt sie sich bis zum Schluss auf: „Drop the Pilot“.

Als Zugabe gibt sie noch „Some Kisses“ mit auf den Heimweg und die Erkenntnis, dass die Erinnerung an eine grandiose Show weit mehr wiegt als ein simples Foto.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare