Jobsuche mit Handicap

Rund 50 Bewerbungen hat er schon geschrieben: Yannik Sven Heinzemann gibt die Hoffnung auf eine feste Stelle nicht auf. Foto: Féaux de Lacroix

Niedervorschütz. Er ist jung, gut ausgebildet – und arbeitslos. Damit ist Yannik Sven Heinzemann nicht allein. Doch bei der Jobsuche hat er ein Handicap: Der 20-Jährige sitzt im Rollstuhl.

Auf Heinzemanns Schreibtisch stapeln sich Bewerbungsmappen, Anschreiben, Lebensläufe. „Ich habe so um die 50 Bewerbungen geschrieben“, sagt der Niedervorschützer, „aber immer nur Absagen kassiert.“ Alle großen Firmen in der näheren Umgebung, etwa in Fritzlar und Melsungen, habe er abgeklappert. Dabei sei er nicht wählerisch, betont er: „Die Hauptsache wäre für mich, Arbeit zu haben.“

Seit einem Jahr bewirbt sich Heinzemann erfolglos. Seine Behinderung erschwere die Arbeitssuche, sagt er. Auch wenn Arbeitgeber keinen Bewerber wegen seiner Behinderung diskriminieren dürfen: „Die meisten Firmen wollen kein Risiko eingehen“, vermutet der 20-Jährige. Denn als Schwerbehinderter genießt er einen besonderen Kündigungsschutz.

Heinzemann wurde mit einer Fehlbildung der Wirbelsäule geboren. Trotzdem hat der Niedervorschützer in Bad Arolsen eine dreijährigen Ausbildung zum Bürokaufmann abgeschlossen.

Im Anschluss hat Heinzemann ein Praktikum in der Felsberger Stadtverwaltung absolviert. Dort hätte er gern weiter gearbeitet, es gab aber keine freien Stellen. Bürgermeister Volker Steinmetz versprach damals, sich anderweitig für Heinzemann einzusetzen. „Der Bürgermeister konnte da aber nicht wirklich was tun“, sagt Heinemann.

Am liebsten würde er im Einkauf und Verkauf arbeiten oder bei einem Unternehmen am Empfang sitzen. „Das hat mir in der Ausbildung am meisten Spaß gemacht.“ Grundsätzlich sei er auch bereit, die Region zu verlassen. „Aber ich habe keinen Führerschein und kein Auto, das macht es schwierig“, räumt Heinzemann ein.

Auch wenn der 20-Jährige arbeitslos ist – er hat genug zu tun. Derzeit nimmt Heinzemann an einem Bewerbungstraining in der Jugendwerkstatt Felsberg teil, vorher hat er ein Praktikum in Frankreich absolviert – bei einem Verein in Clermont-Ferrand, der sich für die Rechte von Behinderten in Frankreich einsetzt. „Die Verständigung war kein Problem, viele Leute dort haben englisch gesprochen“, erzählt Heinzemann.

Die Erlebnisse in Frankreich haben ihm neuen Mut für die Jobsuche gegeben. Heinzemann schreibt also weiter eine Bewerbung nach der anderen. „Frustriert bin ich schon“, räumt er ein, „aber ich mache mich nicht verrückt und probiere es weiter.“

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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