26. März 1936: Reichsminister Darré schwor Schwälmer auf die Reichstagswahl ein

Jubel für den Bauernführer

Propaganda: Als preußischer Ministerpräsident besuchte Göring im Juni 1933 Gilserberg (Foto). Menschenmassen bewegte in der Schwalm auch der Besuch des Reichsbauernführer Richard Walter Darré im Jahr 1936 in Ziegenhain. Foto:1  Sammlung Uwe Schmidt/nh/ 1dpa

Ziegenhain. Mehr als 10 000 Menschen bevölkerten am 26. März 1936 die Stadt Ziegenhain. Überall hingen Reichsfahnen und Tannenzweige an den Häusern – und das alles, weil sich ein Mann angekündigt hatte: der Reichsminister und Reichsbauernführer Richard Walther Darré. Drei Tage später, am Sonntag, 29. März 1936, sollte nämlich im Deutschen Reich eine sogenannte Reichstagswahl stattfinden.

Dementsprechend lief einerseits schon tagelang der Kartenvorverkauf, andererseits musste viel organisatorische Arbeit geleistet werden, und wenn es nur die Sperrungen von Straßen wie der von Ziegenhain über Ascherode nach Treysa zwischen 11 und 18 Uhr war.

12 000 auf der Lämmerweide

Nachmittags verlagerte sich dann das ganze Geschehen auf die Lämmerweide. Dort hatte man ein riesiges Zelt für den hohen Gast und die zahlreichen Besucher aufgebaut. Das Rednerpult war mit frischen Blumen geschmückt, vor ihm Stand eine Büste Hitlers und an der Stirnseite des Zeltes hatten Schwälmer Bauern in Tracht Aufstellung genommen.

Mit ihnen waren 12 000 Menschen auf die Lämmerweide gekommen. Gegen 15.30 Uhr war es dann endlich soweit. Plötzlich ertönte stürmischer Jubel vor dem Eingang zum Zelt. Darré betrat nun wie ein moderner Gladiator das Zelt. Mit dem SS-Gruppenführer und preußischem Staatsrat Wilhelm Meinberg sowie dem Hauptabteilungsleiter Better schritt er durch ein Spalier, gebildet von SS- und SA-Männern: „Immer wieder jubeln ihm die kurhessischen Bauern zu. Eine Gruppe von Schwälmer Bauernkindern in ihrer kleidsamen Tracht überreicht dem Minister einen Blumenstrauß, der ihn sichtlich erfreut.“ Es dauerte wohl, bis sich der Beifallssturm gelegt hatte.

Nun betrat der Landrat und Kreisleiter das Rednerpult und begrüßte den hohen Gast mit einem dreifachen „Sieg Heil“.

Tausende Kehlen stimmten dabei ein. Dabei führte er zum Schluss seiner Ansprache aus: „Wenn man auch in der Schwalmgegend nicht viele Worte mache, eines sei sicher: der kommende Sonntag werde beweisen, dass der Schwalmkreis treu zum Führer und Nationalsozialismus stehe.

Zunächst rechtfertigte Darré die Kündigung des Locarno-Vertrags, denn die westlichen Staatsmänner Europas hätten nicht eingesehen, „dass wir nichts anderes wollen, als nur Herr in unserem eigenen Hause sein“. Wenig später wurde er deutlicher: „Das Deutschland von heute sei eines, mit dem man nicht mehr machen könne, was man wolle.“

Dann versicherte er, dass aber alles friedlich bleiben solle. Doch kurz darauf setzte er andere Akzente: „Die Welt soll erleben, dass in Deutschland wieder die Ehre gilt.“ Der große Beifall zeigte ihm, dass seine Worte bei den Schwälmern ankamen. WEITERE ARTIKEL

Von Thomas Schattner

Quelle: HNA

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