Evangelisches Forum Schwalm-Eder: Kochabend mit jüdischer Küche

Brachten die jüdische Küche in die Schwalm: Von links die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Nordhessen Deborah Tal-Rüttger, Rabbinerstudentin Natasha Verzhborska aus Potsdam und die Rabbinerin der Londoner Harlow Synagoge Irit Shillor mit Pfarrer Dierk Glitzenhirn. Fotos: Knauff

Schwalmstadt - „Liebe ist gut, Liebe mit Nudeln ist noch besser“: Unter diesem Motto stand am Donnerstagabend die Auftaktveranstaltung des Evangelischen Forums Schwalm-Eder.

Jüdischen Alltag präsentieren, das war das Ziel von Pfarrer Dierk Glitzenhirn. Und wie lässt sich der Alltag besser vermitteln als am und beim Essen? Die jüdischen Speisevorschriften standen daher im Mittelpunkt des Abends im Gemeindehaus Franz-von-Roques in Treysa. Es wurde gekocht, gesungen und viel erzählt. „Wir möchten quasi mundgerecht vermitteln, was jüdisches Leben heute bedeuten kann“, sagte Glitzenhirn.

Deborah Tal-Rüttger, Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Nordhessen (Felsberg), erklärte viel darüber, wie im Judentum gekocht wird und welche Vorschriften und Verbote man dabei beachten muss. Es blieb nicht bei der Theorie. Sie lud in die Küche des Gemeindehauses ein.

In der jüdischen Kultur wird das Essen in drei Bereiche geteilt: Fleischiges, Milchiges und Parve (Mehlspeisen, Obst, Gemüse), also neutrales Essen. Aus jedem Bereich wurde ein Rezept realisiert. Die Zutaten dafür standen in der Küche schon bereit.

Servierte das Essen: Melanie Nöll verteilte die koscheren Speisen an die Gäste.

„Jude zu sein ist meistens nicht ganz einfach, aber das liegt definitiv nicht am Essen“, sagte Deborah Tal-Rüttger. Was man zu sich nehmen darf und auf welche Weise das Mahl zuzubereiten ist, steht in der hebräischen Bibel, also den ersten fünf Büchern Mose. Erste Grundregel: Es ist verboten, Fleisch und Milch zusammen zu kochen und zu verspeisen. In der Praxis bedeuten dies, dass man von allem in der Küche zwei Ausführungen braucht. Es sollten im Idealfall sogar zwei komplett eingerichtete Küchen zur Verfügung stehen. In der einen bereitet man Fleischiges zu, in der anderen Milchiges.

Es gibt in der Bibel keine genaue Erklärung dafür. Viele Gelehrte haben jedoch immer wieder versucht, die Regeln zu deuten. Vorgeschrieben ist etwa auch, welche Tiere man essen darf - und welche nicht. Bei den Säugetieren dürfen es nur Wiederkäuer mit gespaltenen Hufen sein, Rind zum Beispiel.

Verbotene Speisen oder auch falsch zubereitete sind nicht koscher, also nicht tauglich.

Auch in Treysa wurden die drei Gerichte separat zubereitet. Die Gäste konnten sich aussuchen, welcher Kochgruppe sie sich anschlossen. Nach Anweisung durch Tal-Rüttger schwangen alle den Kochlöffel.

Tal-Rüttger übrigens begnügt sich zu Hause mit einer Küche, allerdings sind zwei Küchenausstattungen für sie selbstverständlich. Die Gesetze helfen den Juden ihre Traditionen in den Alltag zu integrieren. Die Geschichte ihres Volkes bleibt so am Leben, sagt sie.

• Weitere Termine zur Veranstaltungsreihe jüdisches Alltagsleben: Sonntag, 7. Oktober, Konzert mit gottesdienstlicher Musik aus dem Judentum; Samstag, 19. Januar 2013: Möglichkeit der Teilnahme an einem jüdischen Gottesdienst.

• Darüber hinaus bietet das Evangelische Forum Schwalm-Eder zahlreiche weitere Veranstaltungen an.

Von Kristian Knauff

Mehr Information unter www.forum-schwalm-eder.de

Fotos vom Kochabend

Kochabend: Jüdische Kultur geht durch den Magen

Quelle: HNA

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