Jüdische Liberale Gemeinde lädt zu Gottesdiensten ein

Judentum zum Kennenlernen

Am Betpult: Christopher Willing mit einer der reichgeschmückten Torarollen. Foto: Féaux de Lacroix

Felsberg. Der Treffpunkt ist gut versteckt: Der Raum, in dem die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Emet we Schalom zusammenkommen, liegt in einem ganz normalen Wohnhaus in Felsberg. Nichts deutet darauf hin, dass hier jüdische Gottesdienste gefeiert werden.

Die nordhessische Gemeinde hält ihren Treffpunkt bewusst geheim – aus Angst vor Anschlägen. „Synagogen haben normalerweise Polizeischutz“, sagt Vorstandsmitglied Christopher Willing. Die Mitglieder von Emet we Schalom haben sich für einen anderen Weg entschieden: Nur Eingeweihte wissen, wo sie ihre Gottesdienste feiern.

„Synagogen haben normalerweise Polizeischutz.“

Doch ab und zu öffnet die Jüdische Gemeinde ihre Pforten auch für Andersgläubige – zu so genannten Lerngottesdiensten. „Dabei nehmen wir uns die Zeit, Fragen zu beantworten“, sagt Willing. „In einem normalen Gottesdienst kann man den Besuchern wenig erklären.“

Die Gäste nehmen dann in einem kleinen, unscheinbaren Raum Platz – auf Stühlen, die sonst gestapelt in einer Ecke stehen. Ihr Blick ist gerichtet auf ein mit blauem Stoff bezogenes Betpult, einen siebenarmigen Kerzenleuchter und den Toraschrein: In diesem Schrank werden die Gebetsrollen aufbewahrt.

Christopher Willing öffnet den Schrank und nimmt behutsam eine der Torarollen heraus, die in ein reich besticktes Tuch gewickelt ist. Um die Tora, die heilige Schrift, drehten sich viele Fragen der Besucher, erzählt Willing. Viele wollten auch wissen, worin sich das Judentum von anderen Religionen unterscheidet, und welche verschiedenen Strömungen es im Judentum gibt.

Die Beschneidungsdebatte, die in Deutschland zuletzt die Gemüter erregte, habe hingegen bisher keine Rolle gespielt. „Ich glaube, da trauen sich die Leute einfach nicht, zu fragen“, sagt Willing und schmunzelt.

Drei Lerngottesdienste hat die jüdische liberale Gemeinde bisher organisiert – zwei in Felsberg, einen in Kassel. „Zum ersten Gottesdienst in Felsberg sind 25 Besucher gekommen“, erinnert sich Willing.

Doch er habe viele Zuschriften von Menschen erhalten, die keine Zeit hatten, aber gern teilgenommen hätten. „Es war offenbar ein großer Wunsch nach einem solchen Angebot da“, folgert Willing, der aus Langenhagen bei Hannover stammt und seit 1994 in Felsberg lebt.

Der letzte Lerngottesdienst in Felsberg hat Mitte Januar stattgefunden. Es kamen elf Besucher – die meisten von ihnen Christen. „Wir bieten auch einen separaten Gesprächskreis mit Muslimen in Edermünde an“, erzählt Willing.

Nächster Termin im Herbst

Der nächste Lerngottesdienst soll voraussichtlich im Herbst stattfinden. „Die Planungen beginnen meist zwei bis drei Monate im Voraus“, sagt Willing.

Wer teilnehmen möchte, kann sich per E-Mail an emetweschalom@gmx.de anmelden. Der Veranstaltungsort wird nur den angemeldeten Gästen mitgeteilt – schließlich soll er auch weiterhin geheim bleiben.

Quelle: HNA

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