Jürgen Broschek verlässt nach 40 Jahren die kommunalpolitische Bühne

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Viele Stunden im Ehrenamt: Jürgen Broschek, hier vor dem Schwarzenborner Rathaus, segt sein Amt als Stadtrat nieder. Seit 1972 war der ehemalige Polizist kommunalpolitisch aktiv.

Schwarzenborn. Reden und streiten - denken, abwägen und entscheiden: Mit dem Schwarzenborner Jürgen Broschek verlässt nach 40 Jahren ein Urgestein die kommunalpolitische Bühne. Viel hat sich getan in dieser Zeit und viel verändert. Gesellschaftlich, politisch und sozial.

Für den SPD-Stadtverband der Garnisonsstadt ist Broschek als Gründungsmitglied und -vorstand und ein Mann der ersten Stunde. Durch die Gründung des Stadtverbands - man habe das scherzhaft als Geburtstagsgeschenk für den damaligen Landrat Albert Pfuhl bezeichnet, erzählt Broschek - wurde die Parteienlandschaft in Schwarzenborn bunter. 1974, mit der ersten Kommunalwahl nach der Gebietsreform, nahmen erstmals fünf Genossen neben der CDU-Fraktion und den Mitgliedern einer Wählerliste in der Stadtverordnetenversammlung ihren Platz ein. „Wir hatten damals keine Ahnung“, erinnert sich der 71-Jährige. Schnell habe man sich auf der Akademie für Kommunalrecht schlau gemacht.

Das Handwerk versteht Broschek inzwischen aus dem Effeff. Stadtverordneter, Parlamentschef, Stadtrat, Kreistagsmitglied - von den möglichen Ämtern eines ehrenamtlichen Kommunalpolitikers hat Broschek kaum eines ausgelassen.

Gullydeckel, Spielplätze und Bebauungspläne, wirklich Aufregendes scheint es auf den ersten Blick in der Kommunalpolitik nicht zu geben. Dennoch beginnt für den Schwarzenborner seit 40 Jahren Politik direkt vor der Haustür. „Zu Beginn brauchten wir in Schwarzenborn dringend einen Kindergarten“, erzählt der ehemalige Polizist. Als Bremse erwies sich zunächst, wie auch heute noch so häufig, das liebe Geld. Später brachten CDU und SPD durch einen gemeinsamen Beschluss das Projekt Kindergarten auf den Weg.

26 Jahre hatte Broschek den Blick als Oppositionspolitiker auf die Entwicklung Hessens kleinster Stadt: „Bis ins Jahr 2000 konnten wir nur fordern und nichts bewegen.“ Die Mehrheitsverhältnisse haben sich in dem Knüllstädtchen inzwischen verändert. Und die Gratwanderung zwischen Parteiräson und politischer Verantwortung lasse auch Grenzen überwinden, ist sich Broschek sicher. Es habe Jahre der Schärfe gegeben, inzwischen setzen in Schwarzenborn allerdings alle Fraktionen weniger auf Konfrontation, sondern mehr auf Zusammenarbeit.

Die Gestaltungsmöglichkeiten eines Kommunalpolitikers werden geringer, ist sich Broschek sicher. Von den freiwilligen Leistungen einer Kommune sei kaum etwas geblieben. Die Bevölkerung müsse alles, zum Beispiel mit Hilfe von Fördervereinen, tragen. Die interkommunale Zusammenarbeit werde sich manifestieren, ist er sich sicher: „Vielleicht wird es einmal eine gemeinsame Knüllgemeinde geben.“

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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