Neues Vormundschaftsrecht erfordert intensivere Betreuung

Jugendamt muss neue Mitarbeiter einstellen

Schwalm-Eder. Einen Fall wie den des zweijährigen Kevin aus Bremen soll es nie wieder geben: Der Junge, Mündel des Jugendamtes, war 2006 tot im Kühlschrank seines Ziehvaters gefunden worden. Sein amtlicher Vormund hatte 240 Kinder zu betreuen und keine Zeit für persönliche Kontakte zu dem Kind gehabt.

„Seitdem läuft die öffentliche Diskussion um einen besseren Schutz der Kinder in problematischen Verhältnissen“, sagt Karin Wagner, Leiterin der Jugendamtes beim Schwalm-Eder-Kreis. Als Resultat verschiedener Expertenrunden gibt es jetzt ein neues Vormundschaftsgesetz. Darin stehen sehr konkrete Verfahrensschritte, die die Vormünder des Jugendamtes künftig beachten müssen.

Zum Beispiel muss der Vormund jetzt einmal im Monat persönlichen Kontakt zum Mündel haben und darüber dem Gericht Bericht erstatten. Um das zu schaffen, darf er nicht mehr als 50 Vormundschaftsfälle übernehmen. Bisher waren es bis zu 120 Fälle.

Diese hohe Zahl habe bisher dazu geführt, dass die Vormünder sich vor allem um die Unterhalts- und Vermögensangelegenheiten der Mündel gekümmert hätten, sagt Karin Wagner. Ab sofort solle aber deren „persönliche Wohlergehen“ im Mittelpunkt stehen. Der Vormund müsse nunmehr die Pflege und Erziehung des Kindes persönlich fördern und gewährleisten.

„Unter diesen Voraussetzungen müssen wir bei durchschnittlich 150 Betreuungsfällen mindestens zwei bis drei zusätzliche Mitarbeiter einstellen“, sagt Erster Kreisbeigeordneter Winfried Becker.

Zwar gewähre der Gesetzgeber eine Übergangsfrist, aber es gebe noch viele offene Fragen. Zum Beispiel sei ungeklärt, wer die zusätzlichen Kosten trage.

Karin Wagner sieht ein weiteres Problem: Für eine bessere Betreuung müsse man qualifizierte Sozialpädagogen einstellen. Und der Fachkräftemangel sei schon jetzt deutlich zu spüren.

Quelle: HNA

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