Vernachlässigung und Kindesmissbrauch

Jugendamt musste 163 Kinder aus Familien holen

Schwalm-Eder. Schwerwiegende Fälle von Vernachlässigung und Kindesmissbrauch schreckten zwischen 2005 und 2007 die Öffentlichkeit in Deutschland auf. Mehrere Kinder starben auf qualvolle Weise. Seither ist die Zahl der Fälle, bei denen Kinder vom Jugendamt Schwalm-Eder in Obhut genommen wurden, deutlich gestiegen.

2005 kam das 77 Mal vor, 2009 musste das Amt 174 Mal eingreifen.

Eine solch hohe Zahl hat es nach Angaben des Landkreises seither nicht mehr gegeben. Im vergangenen Jahr waren es 163 „Kriseninterventionen“, wie es Fachjargon heißt. Die schrecklichen Ereignisse um Jessica, Kevin und Lea-Sophie hätten bei den Jugendämtern und bei den Menschen zu einer anderen Wahrnehmung geführt, sagt Vizelandrat Winfried Becker. „Kinderschutz ist eine Aufgabe von uns allen“, fügt er hinzu.

Auch personell habe sich einiges verändert. Hatte das Jugendamt 2003 noch neun Mitarbeiter, sind es seit 2009 13 Vollzeitbeschäftigte. Außerdem gibt es zwei halbe Stellen für den Bereich „Sexueller Missbrauch und frühe Hilfen“.

Bewährt hat sich nach Einschätzung Beckers, dass es für Kinder in Notsituationen 20 Bereitschafts- und Kurzzeitpflegestellen gibt. Dabei handelt es sich um Familien, die Tag und Nacht bereit sind, um Kinder aufzunehmen. Darüber hinaus gebe es im Landkreis auch fast 700 voll- und teilstationären Heimplätze. Das sei die größte Abdeckung in Hessen.

Im Schnitt bleiben die Kinder zwei Monate in einer Pflegestelle oder im Heim, bis sich die Situation in den Familie verändert haben. „Die Inobhutnahme ist das letzte und schärfste Mittel, wenn Eltern keine Einsicht zeigen“, sagt Harald Otto, Leiter des Allgemeinen sozialen Dienstes beim Jugendamt. Die Familien werden durchschnittlich 18 Monate betreut, wobei der Landkreis dafür meist die Dienste von Jugendhilfeanbietern nutzt.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare