Neue Heimat ist Zoo in Eberswalde

Jungbären Dakota und Luna verlassen den Wildpark Knüll

Schwalm-Eder. Der Plan ging auf: Jetzt haben alle drei Jungbären den Wildpark Knüll verlassen. Das neue zu Hause der zweijährigen Braunbären Dakota und Luna ist seit Dienstag ein Zoo in Eberswalde.

Bereits vor einigen Monaten hatte ihr Bruder Arkas den Wildpark in Richtung Niederösterreich verlassen. Dort lebt er seitdem im Zoo der Stadt Haag. „Mit dem Auszug der mittlerweile stattlichen Jungbären ging unsere Rechnung auf, denn es ist uns gelungen sie ohne Druck an gute Stellen zu vermitteln“, sagt Wildparkleiter Dr. Wolfgang Fröhlich. „Beide Zoos machen eine sehr gute Arbeit, unsere Bären werden es dort richtig gut haben“, erklärt er.

Die Tiere seien nun alt genug, um ihre Bäreneltern Onni und Balu zu verlassen. Auch in der freien Wildbahn suchen sich Jungbären in diesem Alter ein neues Revier. Mehr Besucher wurden im Wildpark Knüll durch den Nachwuchs bei den Braunbären nicht verzeichnet. 65 000 Menschen kamen in diesem Jahr. „Das ist ein gutes, aber kein sehr gutes Jahr.“ Es gebe mittlerweile Untersuchungen die belegen, dass Besucher nicht wegen Jungtieren, sondern wegen neuer Gehege in Zoos und Parks kommen, erklärt Fröhlich.

Das zeige auch ein Blick auf das Jahr, in dem die Bärenanlage eröffnet wurde. Damals wurden 90 000 Besucher gezählt. Doch sei es im Wildpark Knüll nicht Hauptsächlich um die Steigerung der Gästezahlen gegangen. „Die Nachzucht gehört zu einer artgerechten Haltung dazu“, so Fröhlich. Dennoch: Nachwuchs bei den Bären werde zwar nicht ausgeschlossen, eine Entscheidung darüber werde aber nach den Grundsätzen des Wildparks getroffen.

Grund sei nicht nur der Verlust von drei Jungbären im Frühjahr, sondern auch die Nachfrage an Bären in anderen Parks. Man habe erstmal Vorkehrungen getroffen und Bärendame Onni die Pille gegeben.

Fotostrecke: Bärengeschwister verließen Wildpark Knüll

Bärengeschwister verließen Wildpark Knüll

Reportage: Bärengeschwister auf Reisen

Stille. Fast ist es, als müsse man den Atem anhalten. Nicht mal der eisige Wind weht in diesem Moment: Nicolai Gellert, ein Mann wie ein Bär, steht auf der Transportkiste, die direkt vor einer der Luken am Braunbärengehege im Wildpark Knüll steht. Gleich soll Jungbär Dakota seinen Käfig durch die Luke verlassen und in die Kiste – auf der Gellert steht – laufen. Dakota und seine Schwester Luna verlassen heute den Wildpark Knüll.

Ihr neues Zuhause ist der Zoo in Eberswalde. Nicolai Gellert ist jetzt ganz alleine in dem Gehege, in dem eben noch Holzbalken angebracht und an der Standfestigkeit der Kiste getüftelt wurde. Nur wenige Meter von ihm entfernt stehen das Team des Wildparks Knüll und Tiertransportfahrer Josef Streich aus Österreich. Tierarzt Dr. Hans-Jürgen Pfau hält ein mit Narkosemittel geladenes Gewehr in den Händen. Sie trennt ein großer grüner Stahlzaun von Gellert.

 Bären brüllen nicht Kein Mensch sagt ein Wort, selbst die Bären haben aufgehört zu brüllen. Plötzlich heult eine Motorsäge auf. Dakota, der eben noch in seinem Stall hin und her lief, macht einen Satz in Richtung Ausgang – in Richtung der geöffneten Luke und somit in die Transportbox. Nicolai Gellert steht noch immer auf ihr und lässt die Klappe in seinen Händen los, sie fällt und versperrt Dakota den Rückweg.

Endlich im Transportkäfig

Geschafft. Dakota ist im Transportkäfig. Das scheint dem zweijährigen Braunbären nicht zu gefallen. Er brüllt und kratzt mit seinen großen Pranken über den Holzboden. Einige Splitter lösen sich. „Sie sind bärenstark und deshalb geht die Sicherheit vor“, sagt Dr. Wolfgang Fröhlich. Josef Streich nickt ihm zu. Streich fährt regelmäßig Wildtiere von Zoo zu Zoo oder Wildpark. „Nur etwa fünf Unternehmen haben sich europaweit auf solche Touren spezialisiert“, sagt er.

Vor einigen Jahren wurde er bei einer solchen Fahrt verletzt. Ein Wildschweinkeiler ist beim Verladen ausgebüxt, fiel über Streich her und biss in seinen linken Oberarm. Seitdem kann Josef Streich nicht mehr fest zupacken. In seinem Transporter warten bereits ein Kolkrabe und ein Serval – eine mittelgroße wilde Katze aus Afrika – auf die Weiterfahrt. Deshalb müssen Luna und Dakota auch einen Umweg über Stendal in Kauf nehmen.

200 Kilo schwer

Denn dort werden die beiden Mitfahrer abgeliefert. Bevor es so weit ist, muss die Transportbox mit dem 200 Kilogramm schweren Dakota noch in den Wagen. Keine leichte Aufgabe. Zwar lässt sich die Kiste über Schnee und Eis besser schieben, doch wird das Fahren und Anheben mit einer Art Gabelstapler dadurch nicht einfacher. Doch auch das klappt. Dann ist Luna an der Reihe. Wieder wird eine Box vor der Luke zum Stall angebracht, wieder steht Nicolai Gellert allein auf der Kiste, wieder diese Stille und wieder heult die Kettensäge auf. Alles klappt wie am Schnürchen.

Luna macht es Dakota nach und landet nach nur wenigen Sekunden ebenfalls in der Kiste. Klappe zu, die Rutschpartie zum Transporter beginnt. Jeder Arbeitsschritt läuft Hand in Hand. Während sich der Wildparkleiter über den reibungslosen Ablauf freut, gefällt es Luna nicht in der engen Kiste, in der sie sich kaum bewegen kann. „Das ist aus Sicherheitsgründen so“, erklärt Fröhlich. Tierarzt Pfau stimmt zu und ist erleichtert, dass er das Gewehr mit der Narkoseladung nicht einsetzen musste. Kaum sind die Bären in dem Fahrzeug, macht sich Josef Streich auch schon auf den Weg.

Nachdem der Motor des weißen Transporters nicht mehr zu hören ist, herrscht wieder Stille. Für einen kurzen Moment. Erleichterung beim Team Dann macht sich Erleichterung beim Wildpark-Team breit. „Was kann es Besseres geben als eine solche Aktion, nach der es Mensch und Tier gut geht“, sagt Bärenwärter Alexander Stoppel. Kurze Stille, dann zufriedenes Lachen.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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