Radko-Stöckl-Schüler gaben am Samstag beim Tag der offenen Tür auf vielen Feldern ihr Wissen weiter

Junge Könner als Berufs-Botschafter

Berufliche Qualifikation trifft Naturschutz: Die Auszubildenden aus dem Fachbereich Metalltechnik, vorne Anton Enns (16), dahinter von links Madeleine Weinreich (16), Florian Kowalke (18) und Pascal Spengler (17), zeigten der 10-jährigen Johanna Klapp, wie man einen Nistkasten baut.

Melsungen. Sie ist der Schlüssel zur Karriere, der Grundstein für allen beruflichen Erfolg: die Qualifikation junger Menschen, die von der Schule in die Welt der Wirtschaft entlassen werden. Das erzählte Bernd Richter, Schulleiter der Radko-Stöckl-Schule in Melsungen, zum Tag der offenen Schultür, der am Samstag Hunderte von Besuchern in die Berufsschule lockte.

Dort warteten 40 anschauliche Präsentationen aus den Berufsfeldern Elektrotechnik, Metalltechnik, Wirtschaft und Verwaltung, Sozialwesen sowie Ernährung und Hauswirtschaft. Wir haben uns die bunte Vielfalt genauer angeschaut.

Fit in Fahrzeugechnik

So beispielsweise in den neuen Räumlichkeiten der Kfz-Mechatroniker (siehe Hintergrund), wo Studienrat Thorsten Träger einen Workshop namens „Mobilität – Mechanik, die uns vorantreibt“ betreute. Dort setzten Grundschüler ab der 3. Jahrgangsstufe einen Fahrzeugbausatz aus der Legotechnik-Reihe zusammen, und Azubis der Sparte Kfz-Mechatronik halfen dabei.

„Damit wollen wir Kinder für Technik begeistern, ihnen die Zusammenhänge nahe bringen und gleichzeitig die Handwerker von morgen rekrutieren“, sagte Markus Gille, Abteilungsleiter Metall- und Elektrotechnik. Die Kraftfahzeug-Innung war als Mitveranstalter beteiligt. „Mit dem Projekt wollen wir künftig in die Grundschulen gehen und dort für qualifiziertes Handwerk werben“, sagte Träger.

„Ich finde Legotechnik toll“, schwärmte die neunjährige Angelina Grauel aus Melsungen und setzte schnell einen letzten Baustein auf ihr Modell eines elektrischen Geländefahrzeugs. Dem konnte Altersgenosse Henrik Rott nur zustimmen: „Ich habe zu Hause fünf Kisten mit Lego und auch schon eine Eisenbahn aus Legotechnik gebaut.“

Aktiver Naturschutz

Im Werkraum hämmerten und schraubten Auszubildende der Sparte Metalltechnik zusammen mit einer Vielzahl von Kindern an klobigen Holzkisten. Deren Bestimmung ist der Naturschutz: „Ich baue ein Vogelhaus für unseren Garten“, sagte Johanna Klapp (10) und ließ sich von Azubi Anton Enns erklären, wie man so eine Nisthilfe für Vögel konstruiert. Der 16-Jährige kam ganz schön ins Schwitzen – unterrichten sei nämlich so gar nicht sein Ding: „Die Arbeit mit den Kindern kann ziemlich anstrengend sein, vor allem, weil dauernd andere kommen.“

Aber auch darum gehe es im Berufsleben, sagte Schulleiter Richter. Nicht nur zu wissen, wie Technik funktioniert, sondern dieses Wissen auch weitergeben können, sei von Bedeutung. Daher müssten Lehrer wie Fachkräfte immer auch Motivatoren sein.

Sozialkompetenz

Im Leben gehe es aber nicht nur um berufliche Qualifikation, sondern ebenso um soziale Kompetenz, sagte Markus Gille und verwies auf eine Gruppe von Schülern, die zusammen einen Rap geschrieben und einstudiert hatten. Der wurde am Samstag dem Publikum vorgeführt. „Es gab in unserer Klasse ein paar Probleme, zum Beispiel im Religionsunterricht“, sagte der 19-jährige Hogir Gündüz. Dabei sei ein Streit über inhaltliche Fragen zu Christentum und Islam entbrannt. „Die Arbeit an unserem Rap-Song hat uns zusammengeführt und gezeigt, dass wir ohne Rücksicht auf unsere konfessionellen Hintergründe ein richtig gutes Team sind“, sagte Kollege Abdullah Elgaz.

Hilfe für Benachteiligte

Ein weiteres Projekt, das sich den sozialen Problemen der Weltwirtschaft widmete, präsentierten die angehenden Industriekaufleute der Mittelstufe. Die wollen die Patenschaft für ein Kind aus dem afrikanischen Burkina Faso übernehmen und dessen Schul- und Berufsausbildung finanzieren. Zu diesem Zweck verkauften die jungen Leute Waffeln und sammelten Spenden. Projektbegleiter ist der Partnerschaftsverein Melsungen. „Verantwortung für sich und andere übernehmen zu können, ist das Fundament alles sozialen Miteinanders“, sagte Klassenlehrerin Petra Spiegler-Siebert. Mit gerade mal 160 Euro seien sämtliche Schulkosten des afrikanischen Schützlings für in Jahr gesichert. Die Patenschaft solle von nachfolgenden Klassengemeinschaften weitergeführt werden. (zbg) Hintergrund

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare