Feier im September - Neues Buch beschreibt Leben der Augustinerinnen

Die Jungfrauen von Merxhausen: Klostergründung vor 800 Jahren

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Erhellt das Leben der Merxhäuser Nonnen: Waltraud Regina Schmidt, hier hinter der Klosterkirche, hat ein Buch über das Augustinerinnenkloster geschrieben.

Merxhausen. Vor 800 Jahren wurde in Merxhausen ein Kloster gegründet für Frauen, die nach der Lehre des Augustinus (354 bis 430) lebten. Obwohl das kleine Kloster - mehr als 20 Chorfrauen wirkten hier wohl nie - weit über örtliche Grenzen Strahlkraft hatte, ist über die Augustinerinnen wenig bekannt.

Waltraud Regina Schmidt hat mit einem umfangreichen Buch die Wissenslücke über die „Jungfrauen von Merxhausen“ geschlossen.

Drei Jahre dauerte das intensive Quellenstudium der Kirchenrätin, die mit ihrem Mann, einem Pfarrer, nach beider Pensionierung 2000 von Fulda zurück ins Elternhaus nach Merxhausen zog. Von der geschichtsträchtigen Heimat fasziniert und in wissenschaftlicher Vorgehensweise geübt, legte sie zum 500. Geburtstag des Landgrafen Philipp von Hessen im Jahr 2004 bereits eine Publikation über das Wirken des „Großmütigen“ und Gründer des Hohen Hospitals zu Merxhausen - Vorläufer der heutigen psychiatrischen Klinik - vor. Den Nonnen und (kurzzeitig) auch Mönchen, die hinter den zum Teil bis heute erhaltenen wuchtigen Klostermauern lebten, widmete sich die agile Seniorin in der Folgezeit -in den zurückliegenden drei Jahre vor dem Jubiläum mit Hochdruck.

Ausgangspunkt ihrer Forschung waren Formulierungen, die die Merxhäuser Augustinerinnen in den wenigen Publikationen, die es über die Klosterzeit gibt, als sittenlos bezeichnen.

Niemals sittenlos

Tiefe Frömmigkeit: Beten bestimmte das Leben der Augustinerinnen. So, wie die der Bericher Augustinerinnen um 1433 - das Bild zeigt die Äbtissin des Klosters Berich und Stifterin des Waldecker Marienaltars, Margarete Huhn - dürfte auch die Ordenskleidung der Merxhäuser Nonnen ausgesehen haben.

Für diese diskriminierende Einschätzung suchte Waltraud Schmidt nach Belegen in Urkunden, Briefen und anderen schriftlichen Dokumenten - und fand nirgendwo etwas, was dies hätte beweisen können.

Urkunden über die Augustinerinnen und ihr Wirken in Merxhausen hat die Theologin gesucht: „Ich wollte diese Frauen aus ihrem Schattendasein herausholen“, sagt Schmidt. Dazu musste sie aber deren Namen kennen, und die fand sie in den Dokumenten, die sie aus dem Lateinischen oder Mittelhochdeutschen übersetzen musste.

Viel Zeit verbrachte die Merxhäuserin in Archiven und Museen - staatliche Einrichtungen waren ebenso dabei wie kirchliche. In Universitäten, Bibliotheken, Handschriftensammlungen und Klöster führte die Recherche - von Berlin bis Brüssel und Straßburg war Schmidt auf Spuren des Merxhäuser Konvents unterwegs. Noch mehr Zeit allerdings kostete die Feinarbeit am häuslichen Computer, um die vielen Texte in zeitlichen und gesellschaftlichen Kontext zu bringen und inhaltlich auszuwerten.

Entdeckt hat Waltraud Regina Schmidt vieles, was noch nicht (oder nur ansatzweise) bekannt war. Dank ihrer Forschung ist beispielsweise nun belegbar, dass nicht die Herren von Blumenstein das Kloster gründeten. Schmidt: „Eine Bruderschaft aus Geistlichen und Laien erwarb die Ländereien und stellte sie den frommen Frauen zur Verfügung.“ Das Dorf „Merkershusen“ samt einiger Ländereien kaufte diese Bruderschaft den Blumensteiner Herren ab - samt den damit verbundenen Rechten.

Das war 1213, die Geschichte der Merxhäuser Augustinerinnen begann.

Von Cornelia Lehmann

Quelle: HNA

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