Jungunternehmer in Altenhasungen bauen Bauwagen, Komposttoiletten und mehr

Transportabler Raum. Christian Schinke (rechts im Bild) und Michael Herzog aus Altenhasungen haben ihre Idee vom Wohnprojekt auch in ihrer Firma umgesetzt und bauen Wagen, Zirkuswagen, Jurten und Komposttoiletten. Dieser Wagen im Bild ist nach Bremen verkauft. Fotos:  Wüllner

Altenhasungen. „Wir wohnen nur ein bisschen anders“, sagt Christian Schinke und lächelt. In der Tat ist das anders: Er lebt mit seiner Frau und den zwei Kindern, weiteren Bewohnern, Hunden und Hühnern in einem Wagendorf in Altenhasungen. Vorn in der Scheune an der Ortsdurchfahrt werden die „Transportablen Räume“ gebaut, hinten am Grundstück wird diese Leidenschaft gelebt. „Wir haben unsere Lebensweise zum Beruf gemacht“, sagt Christian Schinke und Michael Herzog stimmt ihm zu. Beide haben vor zwei Jahren ihre Idee vom Wohnprojekt in die Firma „Transportable Räume“ gesteckt. Sie bieten alternative Möglichkeiten zum Wohnen, Leben, Gestalten oder für den täglichen Toilettengang.

Klingt anders, ist es auch. Wer hat schon eine Jurte im Garten stehen? Die Jurte ist eine Gemeinschaftsunterkunft, die hell und einladend ist. Aber nicht aus Steinen gemauert, sondern aus Bambusrohr, ökologischem Dämmmaterial und Stoff und mit einer hellen Lichtkuppel. Durchmesser: Sechs Meter. Dort trifft sich die Gemeinschaft zum Essen, um Yoga zu machen, zum Diskutieren und alles, was man gemeinsam gern machen möchte. Für ihr Wohnprojekt haben sie den Verein „Gemeinschaft B6“ gegründet.

Der Traum vom Wohnen in der Natur ist das eine. Das andere ist das Unternehmen von Christian Schinke und Michael Herzog, in dem auch Schinkes Schwager Samuel Wilhelm mitarbeitet. Nebenan im Wohnhaus und auch zum Teil in einem Wagen wohnen die Eltern von Wilhelm.

Kunden der jungen Unternehmer kommen aus ganz Deutschland. Vor kurzem haben sie einen Wagen für einen Waldkindergarten in Freiburg gebaut, ein weiterer hat Interessenten in Bremen gefunden. Die Männer bauen alte Bauwagen oder Zirkuswagen wieder auf oder bauen ganz neue Wagen - je nach Kundenwunsch.

Dafür nutzen sie alte Materialien. Sie legen Wert auf Nachhaltigkeit und Recycling und verbauen nur ökologische Materialien. Und die stammen zu 80 Prozent aus Hessen.

Christian Schinke ist Autodidakt. Früher hatte er eine Internetagentur. Michael Herzog ist gelernter Möbelschreiner. „Das hier ist ein entspannteres Leben. Es geht uns nicht ums Geld scheffeln. Wir sind hier sehr selbstständig, und ich habe mehr Zeit für meine Familie“, sagt Christian Schinke. Die Gemeinschaft vertritt die Meinung, dass sie nur das verbrauchen können, was sie herstellen. „Unsere Welt ist endlich“, sagt Samuel Wilhelm. Deshalb Komposttoiletten im eigenen Garten. So schließt sich der Kreislauf.

In so einem Wagen zu leben, kann man sich bei angenehmen Herbsttemperaturen noch vorstellen. Und im Winter? „Machen wir die Fenster auf“, sagt Samuel Wilhelm und lacht. Denn in den Wagen ist es herrlich kuschelig, der Holzofen bollert und man möchte am liebsten eintauchen in die Welt der Schinkes, Herzogs und Wilhelms.

Von Monika Wüllner

Quelle: HNA

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