Soloprogramm „Keine weiteren Fragen“

Kabarettist Christian Ehring: „Tofu, Tofu, schallt’s aus dem Wald“

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Ironie an: Christian Ehring plauderte über Dinge, die jeder kennt und begeisterte sein Publikum in der Kulturhalle in Wolfhagen.

Wolfhagen. Christian Ehring, Kabarettist aus dem Ruhrgebiet, beweist gleich zu Beginn seines Soloprogramms „Keine weiteren Fragen“ in der Kulturhalle Wolfhagen am Wochenende, dass er auch Klavier spielen und singen kann.

Mit rauchiger Stimme singt er, dass er und wir doch alle authentisch seien, um es im Laufe des Abends mit viel Witz, Esprit, Schlagfertigkeit und trockenem Humor zu widerlegen.

Er ist ein Meister der Ironie. Gleich zu Beginn bittet er das Publikum, unbedingt ihre Handys anzulassen, denn dadurch könne er sie besser orten und ansprechen. Die etwa 200 Zuschauer, die der Einladung durch den Veranstalter „Volksbühne Bad Emstal“ gefolgt sind, lachen und ganz schnell werden die letzten Handys ausgeschaltet. Schon nach den ersten Sätzen hat er das Publikum auf seiner Seite, denn er plaudert über Dinge, die jeder kennt und jeden betreffen. Allerdings in einer Art und Weise, die manchen Zuschauer zunächst verstört oder zumindest irritiert. 

Mit todernster Stimme, Mimik und Gestik sagt Christian Ehring Sätze, die in ihrer inhaltlichen Absurdität kaum zu überbieten sind. Zum Beispiel sein pubertierender fiktiver Sohn, den er zu einem freiwilligen sozialen Jahr in die Slums von Buenos Aires schicken will. Das sei heute schick und würde sich gut im Bewerbungsschreiben für das Studium der „vergleichenden Konsolenwissenschaft“ machen, behauptet der Kabarettist ernsthaft. 

Des Weiteren erzählt er dem staunenden Publikum, dass er sich ein zweites lukratives Standbein aufgebaut hätte: vegane Kindermusik, also frei von Tieren und tierischen Produkten, wie das Lied: „Tofu, Tofu, schallt’s aus dem Wald“. Und so geht es munter weiter. Der 44-jährige nimmt sie alle aufs Korn und zerpflückt sie gnadenlos, ob Politiker, Makler, Yogalehrer, Walddorf-Trullas, Öko-Freaks, Spießer und selbst die lokale Zeitung ist vor ihm nicht sicher.

Als roter Faden zieht sich durch das Programm das Thema „Flüchtlingspolitik“ hindurch. Sehr überzeugend spielt Christian Ehring einen Familienvater, der so seine Last hat mit einer Ehefrau, die unbedingt einen Flüchtling aufnehmen will. Doch nach anfänglichem Zögern hat er sich einen Eritreer ausgesucht und ist entsetzt, als dieser ihn und seine Familie ablehnt. Herrlich, wie der Kabarettist dabei die Arroganz und Borniertheit vieler Deutscher bloßlegt. An diesem Abend steht er stellvertretend für „Otto Normalverbraucher“, der sich für so tolerant und aufrichtig hält und von seiner Familie als das Gegenteil entlarvt wird. Ironie, Überspitzung und Untertreibung als Stilmittel der Satire, um der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. Christian Ehring beherrscht dies meisterhaft. Lang anhaltender Applaus für einen außergewöhnlichen Kabarettisten.

Zur Person

Christian Ehring wurde 1972 in Duisburg geboren. Er gründete 1990 mit Volker Diefes das Kabarett Die Scheinheiligen. 1998 wechselte er zum Ensemble des Düsseldorfer Kom(m)ödchens. Von 2002 bis 2006 trat Ehring überwiegend als Solokünstler auf und arbeitete als Autor unter anderem für Dieter Hallervorden und die Leipziger Pfeffermühle. 2006 kehrte Ehring ans Kom(m)ödchen zurück. Seit Mai 2009 gehört er zum Team der ZDF-heute-show. Im Juli 2011 übernahm er die Moderation von Extra 3. Ehring lebt in Düsseldorf und hat zwei Töchter.

Quelle: HNA

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