Programm "Mach' doch 'n Foto davon"

Kabarettist Nils Heinrich präsentierte in Treysa Satire aus dem Alltag

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Präsentierte Satire des Alltags: Der Berliner Kabarettist Nils Heinrich gastierte am Samstagabend in der ausverkauften Hospitalskapelle. 

Treysa. Auweia, tat das gut. Wem in dieser immer noch recht düsteren Jahreszeit nach Lichtstrahlen auf die Seele dürstet, der sei gut beraten, sich Karten für Nils Heinrich zu holen.

Lange nicht mehr so komprimiert gut gelacht wie am Samstagabend, als der Berliner Kabarettist in der ausverkauften Hospitalskapelle gastierte – dem Verein Kultur vor Ort sei Dank. Ihm gelingt es immer wieder, hochkarätige Künstler in den schmucken Veranstaltungsort nach Treysa zu locken, so auch 2018.

"Mach' doch 'n Foto davon", heißt das Programm des 46-Jährigen, mit dem er zurzeit zwischen Bochum und Berlin tourt. Ausgerüstet mit großer Leinwand und Stativ, zeigte er Bilder aus dem Leben, die man so nicht für wahr halten würde: den Eingang einer "Hundetagesstätte", Aprikosen im Edeka-Laden mit der Aufschrift "vegan". Das wäre an sich noch kein Lacher wert, würde Heinrich seine Aufnahmen nicht mit sarkastisch-intelligentem Humor präsentieren, der den Irrsinn hinter der scheinbaren Normalität ans Licht führt. 

Mit "meine Frau will ein Kind, aber sie hat doch mich", gab Heinrich zum Auftakt Auskunft über sein Innenleben. "Ich bin 46, das ist der Grund, warum ich gut gelaunt bin – in der Bonusrunde angekommen, habe ich zusätzliches Datenvolumen erhalten und mache seit zweieinhalb Jahren Nachrichtenfasten." Sein Glücksrezept: "Einmal pro Woche höchstens für fünf Minuten in die Zeitung von vorgestern reinschauen."

Vom Smartphone gar nicht zu reden – "seit die Bekloppten alle im Internet sind, ist es draußen wieder schön." Er interessiere sich nicht mehr für Politik, meint der gebürtige Ostdeutsche – alles wiederhole sich irgendwie, überall, siehe Türkei: "Die soll gerade umgebaut werden in ein Art DDR mit Südfrüchten." Dabei sei er wie geschaffen für die AfD, die Alternative für Deutschland: heterosexuell, Mitte 40, Familienvater, aus dem Osten, "und vor allem heiße ich Heinrich mit Nachnamen".

Ob die schier erschlagende Auswahl an Naturjoghurten im Supermarktregal oder neue Krankheiten ("Herr Doktor, ich habe ein offenes W-Lan") – Heinrich schafft es mit subtilem Blick, bissigem Sprachwitz und E-Gitarre in der Hand, in nahezu atemlosem Tempo das Abenteuer Alltag zu beleuchten. Und das mit solch trocken-sarkastischem Humor, dass sich ein Lacher an den anderen reiht.

Dass das alles andere als abgehoben war, spürten die begeisterten Zuhörer spätestens beim Thema "Weihnachten bei den Verwandten – dort ist der Fernseher groß, aber sonst nichts los". Kräftiger Applaus und eine Zugabe, in der der Kabarettist mit einer Karriere als Politiker liebäugelt: Arbeitslose würden als Glückliche benannt, und ein "Menschenrecht auf schlechte Laune" gäbe es dann auch. Hoffentlich bleibt Heinrich Kabarettist.

Quelle: HNA

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