Kabarettist Nils Heinrich sang und plauderte über DDR, FDJ, Urlaub und Pickel

Felsberg. Jugend in der DDR. Nils Heinrich hat sie erlebt. Schön war sie nicht, auch wenn man sich mit dem System arrangiert hatte. Doch so, wie er sie schildert, muss sie urkomisch gewesen sein. Zumindest für Außenstehende, aber auch für Wissende mit dem entsprechenden zeitlichen Abstand. Nicht anders ist es zu erklären, warum das Felsberger Publikum am Freitagabend im Felsburg-Theater immer wieder vor Lachen losprustete.

Nur von einer kleinen Pause unterbrochen, entführte der gelernte DDR-ler seine kleine, aber bestens unterhaltene Zuschauerschar in eine vergangene Zeit. Eine Zeit, in der es zweimal im Jahr Bananentorte gab, wenn die Grenzer einen Ostseefrachter gekapert hatten. Dann wurden die gelben Früchte halbiert und auf Torten gelegt. Die Sangerhäuser, von dort kommt der gelernte Konditor Nils Heinrich, kratzten den Tortenguss ab und setzten die halben Bananen wieder zusammen.

Er erzählte von seiner Jugend und seinen vielen Pickeln, weil man kein Clearasil kannte. Heinrich: „Man hätte mich früher an der Kasse aber nicht gefragt, ob ich Punkte sammle.“

Überraschende Pointen und die Verbindung zwischen der Zeit vor und nach der Wende sind Heinrichs Stärke. In seinem schon älteren Programm „Als ich ein FDJ-ler war“ nimmt der das Publikum mit auf eine Reise in die Vergangenheit, 30 Jahre zurück. Als man noch wusste, wofür die FDP steht, und die FDP wusste das auch; als Rauchen noch überall erlaubt war, sogar in Kindergärten; und als man sich noch ohne Navi verfahren hat. All das war Ende der 80er-Jahre noch anders als jetzt.

Jahr für Jahr in den Harz

Auch der Urlaub. Den verbrachte die im Harzvorland lebende Familie Heinrich verordneterweise im Harz, im „Mittelgebirge der Albträume“. Jahr für Jahr. Und so sagte seine große Schwester: „Ich lauf dann schon mal los, ich weiß ja wo’s lang geht.“

Er wechselt zwischen Liedern, die genau so bissig daherkommen wie seine gesprochenen Worte. Die liest er zumeist ab aus seinem roten Buch. Die Erinnerungen treffen wie Maschinengewehrsalven auf die Ohren der Zuhörer. Die mitunter sächselnde Aussprache („Männo“ statt „Manno“ – „Wir kannten nur Umlaute“) fließt ganz natürlich ein und setzt den scheinbar typisch ostdeutschen Akzent.

Quelle: HNA

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