Kabarettwettbewerb: Scharfe Barte für Christoph Tiemann

Sie gingen beim Melsunger Kabarettwettbewerb als Gewinner hervor: von links Roger Stein (3. Platz), Volker Weininger (2.Platz), Gewinner und Scharfe Barte-Träger Christoph Tiemann und Nachwuchstalent Martin Valenske. Foto:  Lache-Elsen

Melsungen. Jetzt steht es fest: Christoph Tiemann ist der Sieger des Melsunger Kabarettwettbewerbs. Der Münsteraner gewann vor Volker Weininger aus Bonn und dem Schweizer Roger Stein. Martin Valenske aus Berlin nahm den Nachwuchsförderpreis am Samstag in der Melsunger Kulturfabrik entgegen.

Das Votum für Christoph Tiemann fiel eindeutig aus: Sowohl die Jury als auch die Zuschauer votierten für den Kabarettisten aus Münster. So durfte Tiemann, der als Gaudimacher ebenso brillierte wie in der Rolle als Marcel Reich-Ranicki, auch den Zuschauerpreis, die Scharfe Barte, mit nach Hause nehmen.

Mit einem 30-minütigem Kurzprogramm – an dessen Zeitvorgaben sich zur Freude der Zuschauer natürlich keiner der Künstler hielt – stellten die drei Kabarettisten ihr Programm noch einmal vor.

Auch HR4-Moderator Uwe Becker hatte auf die drei als Gewinner getippt, berichtete Jurymitglied Alfred Weigand, der sich freute, mit einem „solch sachkundigen Publikum zusammenzuarbeiten“.

Bürgermeister Markus Boucsein würdigte die Kabaretttage als kulturelles Highlight, „es gibt Schlimmeres, als in Melsungen Bürgermeister zu sein“.

Wenn Christoph Tiemann in Fahrt kommt, kriegen viele ihr Fett weg, gerne voran die Politiker und Parteien. „Franz Josef Strauß wäre noch in Bayern Ministerpräsident – wenn die bayrische Verfassung nicht vorschreiben würde, dass der Ladesvater lebendig sein muss“, wusste der studierte Psychologe und Religionswissenschaftler.

Er nahm auch das Procedere der Papstwahl auf die Schippe: Vielleicht wählten die Kardinäle per Abzählreim, etwa: „Ene, mene Mapst, Du bist der nächste Papst.“ Oder der Oberste Hirte werde mit einem Torwandschießen ermittelt. „Das erklärt dann auch, dass Deutsche und Italiener Papst werden, aber niemals Engländer“. So schlagfertig auf der Bühne, so zurückhaltend war er bei der Ehrung: „Ich freue mich sehr und bin sehr aufgeregt“, stotterte Tiemann bei der Preisverleihung.

„Alles klar? Gibt’s Fragen an dieser Stelle?“, so begann Volker Weininger sein Programm „Euer Senf in meinem Leben“. Die Erpressung von Peer Steinbach nahm der Bonner aufs Korn. Der Erpresser hatte den Brief nach eigenen Worten aus einer „momentanen Verärgerung heraus geschrieben“. „Klar schreibt man Erpresserbrief, wenn man sauer ist: Das ist doch eine ganz natürliche Reaktion“, meinte Weininger. „Da holst Du Dir den Joghurt aus dem Kühlschrank, siehst, dass der abgelaufen ist und zack! hat Aldi am nächsten Tag Rasierklingen in seinen Molkereiprodukten. Ist doch menschlich!“, rief er ins Gelächter.

Nicht verschont blieben die frühere Bischöfin Käßmann („Rücktritt wegen 1,6 Promille“), Annette Schavan („Die ist ja auch fast sofort zurückgetreten“), Andrea Nahles und Sigmar Gabriel („Biene Maja und der dicke Willi“).

Als tiefgründiger, zauberhafter Liedermachen präsentierte sich der Drittplatzierte Roger Stein, d gebürtiger Schweizer, der in Berlin lebt. Moderator Uwe Becker beschrieb ihn als Kabarettist, Pianist, Sprachkünstler und Sprachspieler. Er sang vom glücklichen Familienvater Alfred, der sich gerne in einen Mann verliebt hätte, von Nietzsche, Goethe und Schiller. Nicht alles leichte Themen – aber ein großartiger Liedermacher.

Von Alexandra Lache-Elsen

Quelle: HNA

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