Michael Roth mit flammender Rede beim Neujahrsempfang der SPD Kassel-Land

Kämpferisch ins Wahljahr

Michael Roth

Bad Emstal. Kämpferisch gibt sich der Generalsekretär der Hessen-SPD. Michael Roth ist beim Neujahrsempfang des SPD-Unterbezirks Kassel-Land in Bad Emstal der Hauptakt.

In einer beherzten Rede stimmt er die Genossen ein auf ein bedeutendes Jahr. Bundestagswahl und Landtagswahl stehen an. Und der 150. Geburtstag der Partei – das für ihn wichtigere Ereignis.

Bühne und Rednerpult sind nichts für Michael Roth. Er schnappt sich das Mikro, tritt zwischen die Tafeln, an denen 400 Vertreter von Ortsvereinen Platz genommen haben. Er redet frei. Roths Auftritt erinnert an den eines Entertainers; er versprüht jede Menge positive Energie. Mit Blick auf die lange Tradition seiner Partei schwört er seine Zuhörer darauf ein, mehr Selbstbewusstsein und Stolz zu zeigen. Ihn persönlich ärgerten die ewigen Selbstzweifel und Bedenken darüber, ob denn das Programm der SPD auch gut genug sei. „Wir haben den Kaiser überlebt, haben versucht, die Weimarer Republik zu retten, haben die Nazis und die Kommunisten überstanden“, erinnert Roth und erntet Beifall.

Ohne Umschweife kommt der 42-Jährige zu sozialdemokratischen Themen: Mindestlohn, Rente, Bildung, wirtschaftliches Wachstum, Bankenkontrolle. „Was die Kanzlerin verdient, ist mir egal. Was die Verkäuferin bei Lidl verdient, ist mir nicht egal.“ Er fordert einen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro. Der mache die Menschen sicher nicht reich, doch helfe er, die größten Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Die Erwerbsleistung müsse sich in ordentlichen Renten widerspiegeln. Der Armutsverdienst von heute, sei die Armutsrente von morgen.

Exportnation stärken

Auch beim Thema Wirtschaft findet der Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg klare Worte. Er fürchtet, dass die von Kanzlerin Angela Merkel gestützten Sparzwänge für Griechenland, Spanien und Portugal der Exportnation Deutschland über kurz oder lang das Wasser abgräbt. Wenn den Menschen dort das Geld fehle, könnten sie nicht konsumieren; der Markt schnurrt zusammen. „2008 haben wir am Abgrund gestanden“, sagt Roth, nichts habe sich seitdem geändert. „Das dürfen wir den schwarz-gelben Stümpern nicht überlassen. Da müssen wir Sozis ran.“ Wieder Applaus.

Selbst beim heiklen Punkt Steuern geht dem Rhetoriker die Begeisterung nicht aus. Nahezu euphorisch gibt er den Weg vor: „Wir senken die Steuern nicht – für wen auch? Wir werden die Steuern erhöhen und zwar für die Reichen.“ Das eingenommene Geld soll in die Bildung fließen. Weitere Profiteure sollen die Kommunen sein, für sie müssten dringend größere Handlungsspielräume geschaffen werden.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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