Landkreis will Anlage an Familienunternehmen Zinn verkaufen

Käufer für Naturbad und Campingplatz in Wallenstein gefunden

Schwalm-Eder. Das Naturbad und der Campingplatz in Wallenstein werden wohl schon bald in der Hand der Familie Zinn aus Wallenstein sein. Der Kreistag sprach sich in seiner Sitzung am Montagmorgen in der Kulturhalle in Melsungen mit großer Mehrheit dafür aus, die Anlage für 62 000 Euro an die Familie, die auch das Landhotel Zinn betreibt, zu verkaufen.

Es habe zehn Interessenten gegeben, letztlich habe man nur zwei Kaufangebote vorgelegt bekommen, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Winfried Becker. Somit hatte man zwar keine große Wahl, könne dennoch einen guten Vorschlag unterbreiten, betonte Becker.

Familie Zinn habe das höchste Angebot abgegeben und mit ihrem Betriebskonzept aufgrund der persönlichen und fachlichen Eignung sowie der touristischen Erfahrung überzeugt. Nicht der Kaufpreis sei entscheidend, sondern die Nachhaltigkeit des Projektes, erklärte Becker. Vergessen dürfe man nicht, dass die Käufer sowohl in den Campingplatz, als auch in den Betrieb des Naturbades investieren müssten. „Es besteht ein großer Nachholbedarf“, so Becker. Die Beleuchtung und die Stromzähler müssten auf dem Campingplatz erneuert und das Schwimmbad saniert werden, nannte der Vize-Landrat nur einige Beispiele. Die Investitionskosten lägen bei rund 150 000 Euro. Eigentlich wollte der Landkreis die Anlage erst 2016 verkaufen. Es bestand aber schon jetzt Handlungsbedarf, weil der Pächter der Anlage – der Starthilfe Verein – seine Arbeit einstellen musste (wir berichteten). Das Ergebnis der Ausschreibung sei sehr ernüchternd, sagte Willi Werner (FWG). Schließlich habe man ein Gutachten vorliegen, dass die Anlage mit 300 000 Euro bewertete. Letztlich bekomme man die Substanz bezahlt. „Eine Woche Mallorca ist günstiger zu haben, als eine Woche Knüllwald.“

Es sei nicht die Aufgabe des Landkreises, einen Campingplatz und ein Naturbad zu betreiben, betonte Becker. Schon gar nicht mit Blick darauf, dass man jedes Jahr 50 000 Euro drauflegen müsse. „Trotz aller Bemühungen wurden rote Zahlen geschrieben und es handelte sich um einen Zuschussbetrieb“, sagte Michael Stuhlmann (CDU). Der Verkauf des Boglerhauses habe gezeigt, dass private Betreiber solche Einrichtungen sehr gut führen könnten. Nicht nur er zeigte sich überzeugt davon, dass die Anlage in Wallenstein an Attraktivität gewinnen werde. Davon profitiere dann die ganze Knüllregion. „Der Betrieb wird ordentlich bergauf gehen, wir werden den Verkauf nicht bereuen“, versicherte Helmut Wettlaufer (SPD). 

Ganz anders sah das Hans-Joachim Böhme-Gingold (Linke). Es gebe zu wenige Beispiele dafür, dass private Betreiber erfolgreich seien. Ein schlechtes Beispiel sei das Homberger Kreiskrankenhaus, das es nun nicht mehr gebe. Heidemarie Scheuch-Paschkewitz (Linke) befürchtete, dass irgendwann ein Zaun um die Anlage gezogen werden könnte und diese dann nur noch für Hotelgäste zu nutzen sei. Becker zeigte sich zudem zuversichtlich, dass der Landkreis von einer Rückzahlung von etwa 35 000 Euro Fördergeld an das Land Hessen verschont bleiben könnte. Grund dafür sei, dass man die Anlage nachhaltig sichere und die Region somit touristisch stärke.

Maja Yüce

Quelle: HNA

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