Eine Fotografie Carl Bantzers erinnert an Besuch der Monarchin

Der Kaiserin zu Ehren

Georg Todt

Willingshausen. Im Volksmund war sie als die „Kirchenguste“ bekannt. Mit ihrem Besuch im August 1906 anlässlich der Einweihung der Hephata-Kirche in Treysa hinterließ Kaiserin Auguste ViKtoria auch Spuren in Willingshausen.

Fotos aus der Sammlung des Willingshäusers Georg Todt belegen, dass neben vielen anderen auch ein Empfangskomitee der Schwälmer Malerkolonie die Kaiserin willkommen hieß. Die Mutter des 81-jährigen Willingshäusers, Elisabeth Todt, geborene Faust, überreichte der Kaiserin einen Blumenstrauß. Das Mädchen war damals acht Jahre alt. Diese Ehre wurde ihr zuteil, weil sie die kleinste in der Schulklasse gewesen sei, sagt Todt.

Bukett als Geschenk

Johann Heinrich Schwalm, Lehrer in Obergrenzebach, schrieb dazu am 15. August 1906 in der Ziegenhainer Zeitung: „Das der Willingshäuser Schule, die am Bahnhof Aufstellung genommen hatte, angehörende Schulkind Elisabeth Faust durfte dann ein schönes in Willingshausen angefertigtes Bukett übergeben.“ Genau drei Stunden weilte die Monarchin bei ihrem Besuch in Treysa. Sie war von ihrer Sommerresidenz in Kassel-Wilhelmshöhe in die Schwalm gereist. Alle Straßen vom Bahnhof bis zur Hephata-Anstalt sollen einem Meer von Fahnen und Girlanden geglichen haben. Vereine, Schulen, Verbände, Frauen und etwa 3000 Kinder bildeten das Spalier.

Von den Schwälmer Kindern soll die Kaiserin so begeistert gewesen sein, dass der Maler Carl Bantzer das Willingshäuser Empfangskomitee nachträglich zusammenrief, die Szene auf einem Foto verewigte und das Bild der Kaiserin als Erinnerung zuschickte.

Der Maler Otto Westphal fotografierte die junge Elisabeth mit ihrem Blumenstrauß. Westphal (geb. 1878 in Leipzig) weilte in den Jahren 1906 und 1907 als Schüler Carl Bantzers in Willingshausen.

In der Familie Todt erinnert neben den Fotos auch eine Brosche an den kaiserlichen Besuch. Die Schwälmer Kinder erhielten ein solches Schmuckstück als Präsent von der Monarchin.

Nicht belegt dagegen ist ein Gerücht, das sich laut Todt hartnäckig über viele Jahrzehnte in der Schwalm hielt: Man munkelte, dass es nicht die Kaiserin Auguste Viktoria selbst war, die sich in Treysa hochleben ließ, sondern vertretungsweise eine ihrer Hofdamen.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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