Kalken mit Eichhörnchen

Saure Böden im Wolfhager Land werden per Hubschrauber mineralisiert

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Orangefarbige Staubfahne: Pilot Albert Birgmeier kalkt die Wälder, die auf Buntsandstein stehen. Basaltkuppen und Muschelkalkflächen werden bei der Aktion ausgenommen. Auch die Kuppe des Weidelsberges mit der Weidelsburg wird ausgespart.

Ippinghausen. Die tiefhängenden, nassen Wolken über den Gipfeln des Thüringer Waldes hat Albert Birgmeier hinter sich gelassen. Im Wolfhager Land wird der Pilot des Eurocopter AS 350 am Dienstagmorgen von strahlendem Sonnenschein und leichtem Frost begrüßt. Ideales Flugwetter.

In den kommenden vier Wochen will Birgmeier die Wälder bei Balhorn, Ippinghausen und Naumburg vom Helicopter aus kalken. Hessen-Forst möchte mit dieser Aktion den ph-Wert der sauren Buntsandsteinböden erhöhen.

Birgmeier ist ein Profi. Mehr als 21 000 Flugstunden hat der 63-Jährige aus Nürnberg absolviert. Von der Bundeswehr, wo er das Fliegen lernte, wechselte er als Agrarpilot in die freie Wirtschaft. Das ganze Jahr über schickt ihn seine Firma, der DHD Heliservice mit Sitz in Ochtendung, zu Einsätzen in die Republik. Über Mannheim und Hockenheim bekämpfte er die Maikäferplage, in Brandenburg nahm er Kurs auf den Eichenprozessionsspinner, und über den Weinanbaugebieten an der Mosel hat er Schädlingsbekämpfungsmittel versprüht. Auch Materialtransporte hinauf zu entlegenen Hütten in den Alpen hat er bereits geflogen. Die meiste Zeit allerdings kalkt er von der Luft aus Deutschlands Wälder.

3000 Tonnen Kalk

„Eigentlich müsste ich schon in der Eifel sein“, sagt der Pilot. Doch das trübe Wetter bei Oberhof hat seinen Zeitplan durcheinander gewirbelt. Dennoch ist Birgmeier guter Dinge. Mit 3000 Tonnen Kalk sollen die sauren Böden in den nächsten Wochen bestäubt werden. Vielleicht wird ihn ein zweiter Pilot bei seiner Mission unterstützen. Drei Tonnen des Minerals, das aus einem Steinbruch am Meißner stammt, sollen auf einen Hektar Waldboden rieseln. Was in den Bäumen hängen bleibt, wird der Regen abspülen. Um die Flugstrecke so kurz wie möglich zu halten, wurden zwölf Kalkdepots im Wald eingerichtet. Dort schaufelt Birgmeiers Kollege Peter Eichhorn mit seinem Radlader das feinkörnige Material in den Streukübel. Alle anderthalb bis zwei Minuten wird der hydraulisch gesteuerte Korb befüllt. Dabei hält der 63-Jährige den Hubschrauber ruhig in der Luft, setzt den Kübel sanft am Boden ab und nimmt die Ladung auf.

738 PS starkes Eichhörnchen

Der Korb schwebt an einem 15 Meter langen Seil und mit dem saust Birgmeier mit seinem 738 PS starken Eichhörnchen – so wird der Hubschraubertyp auch genannt – in einer Höhe von zehn bis 20 Metern über die Baumwipfel hinweg. Eine digitale Karte im Cockpit zeichnet seine Flugstrecke auf. Schwarze Bahnen, die sich über die Landschaft legen, zeigen ihm an, wo er seine Fracht bereits ausgebracht hat. Was jetzt noch fehlt für einen perfekten Job, ist beständiges, gutes Wetter – also: Sonne und Frost.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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