Kaminabend mit Klaus: Musikalische Zeitreise in der Wolfhager Kulturhalle

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Unverwechselbare Stimme: Klaus Lage begeisterte das Publikum in der Kulturhalle Wolfhagen.

Wolfhagen. Der Wunsch kommt etwas überraschend. „Ich freue mich auf einen schönen, flauschigen Kaminabend mit euch. Nur eben ohne Kamin.“ So bedankte sich Klaus Lage beim Publikum seines Soloprogramms „Alleingang“ in der Wolfhager Kulturhalle für den frenetischen Willkommensapplaus.

Damit hatte der 60-jährige Musiker bereits zu Beginn seiner musikalischen Zeitreise in die Vergangenheit das erste Knistern entfacht. Mit heißen Rhythmen, packenden Songs und seiner markanten Stimme hielt er das Feuer über zweieinhalb Stunden lang am Brennen. Mal als nur zaghaftes Flackern wie bei dem aus dem „Die Welt ist schön“-Album stammenden Blues „Schmerz“ , dann aber auch als lichterloh brennendes Feuer wie beim Song „Monopoly“ oder dem Schimanski-Titelsong „Faust auf Faust“.

Mal rauchig tief, mal dröhnend laut, manchmal auch sensibel, verhalten und leise- mit unverwechselbarer Stimme erzählte er in seinen Liedern davon „Wieder Zuhaus“ zu sein („Ich spür die Blicke hinter den Gardinen, die haben mir nicht verziehen“), von der Supermarktkassiererin, die jeden Mittwoch eine Reise mit dem Traumschiff macht und vom kleinen Jungen, der nur einen Wunsch hat- nämlich ein Arschloch zu werden.

Neben seinen Gitarren wechselte er dabei auch von der Chronologie zur Dramaturgie und umgekehrt und gab damit unterhaltsame Einblicke in die „komplizierte Vielschichtigkeit“ seines Wirkens. Als er Ende der 1970er Jahre beim „Berliner Rock Ensemble“ ausstieg, um mit deutschsprachigen Liedern und unter eigenem Namen aufzutreten erschien kurz darauf seine erste Single „Alle ham´s geschafft außer mir“. Diese Behauptung erwies sich später bekanntlich als unzutreffend.

„Ich schäme mich für nichts, was ich früher gemacht habe“, ließ er denn auch das Wolfhager Publikum wissen und räumte gleichzeitig eine winzige Ausnahme ein: Über den Song, in dem er über die Schluchten des Ichs musikalisch philosophiert, würde er zwar gern den Mantel des Schweigens hängen, brachte ihn aber dennoch zu Gehör.

Sehr zur Freude der Fangemeinde, die sich bei fast allen Songs als besonders textsicher erwies. Alle Liedbeiträge wurden mit rhythmischen Klatschen oder Schnippen begleitet.

Am Ende gab’s lang anhaltenden Applaus für einen Kaminabend der ganz besonderen Art.

Von Martina Sommerlade

Quelle: HNA

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