Waldbühnenakteure proben

Kampf mit echten Waffen: Profis üben für Robin Hood

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Treffer: Bühnenfechtmeister Hugo Steeman (rechts) trainiert mit Mario Kurbjuweit für die Kampfszenen beim neuen Stück der Niederelsunger Waldbühne.

Niederelsungen. Mit Hugo Steeman ist nicht zu spaßen, das wissen seine Schüler genau. „Nimm endlich deinen verdammten Kaugummi raus und konzentriere dich!"

Mario Kurbjuweit folgt den Weisungen seines Lehrers, der ihn mit charmant-französischem Akzent und doch strengem Ton zu Höchstleistungen antreibt.

„Du triffst mich einfach nicht, gib dir Mühe!“ Ohne Pause schwingt Kurbjuweit sein Schwert, trotz wochenlangen Trainings noch immer ein wenig zaghaft. Zu zaghaft, das weiß er selbst. „Ich will doch auf der Bühne niemanden umbringen“, sagt er, während ihm dicke Schweißperlen über die Stirn kullern und er auch schon wieder ausholt, sein Ziel anpeilt und beinahe trifft.

Wirbeln beim Kampf ordentlich Bühnenstaub auf: Dieter Wehner (oben) und Robin-Hood-Darsteller Michael Schneider.

„Er braucht noch mehr Übung, muss genau wissen, wann welcher Stoß an der Reihe ist“, sagt Steeman, der zur Zeit mit den Darstellern der Waldbühne Niederelsungen an den Schwertkampf- und Stockchoreographien für die am 27. Juni startende Spielsaison arbeitet. Robin Hood steht auf dem Programm, und da müssen zum Kampf zwischen Gut und Böse, Heldenmut und Feigheit sowie Liebe und Hass die Kampfszenen der Darsteller ebenso perfekt sitzen wie die Texte. „Wir wollen möglichst authentisch wirken, alles andere würden uns die Zuschauer nicht abnehmen“, sagt der Monegasse, der als gelernter Bühnenfechtmeister neben Theatern in München, Wuppertal und Münster auch schon für das Kasseler Staatstheater gearbeitet hat.

Steeman ist ein strenger Lehrer. Das muss er auch sein, „wir arbeiten ja schließlich nicht mit Spielzeug, sondern mit echten Waffen.“ Das sei nicht ungefährlich, weshalb er auch eine detaillierteChoreografie im Kopf habe, für die er die Schauspieler „ordentlich trimmt“. Einige sind das gewohnt, hat der frühere Balletttänzer sie schließlich schon zu „Romeo & Julia“, „Die drei Musketiere“, „Ritter der Tafelrunde“ und „Cyrano de Bergerac“ kampffit gemacht. Zwei Wochen vor der Premiere sollte eigentlich alles passen, doch so weit ist er diesmal noch nicht. Daher heißt es nun: üben, üben, üben.

Aug’ in Aug’ beim Schwertkampf-Training: Mario Kurbjuweit (links) und Carsten Jubelt mit Bühnenfechtmeister Hugo Steeman (Mitte).

So auch bei Philipp Henkelmann, Uwe Fischer und Jens Knippschild, die als Kampftrainer für die weniger filigranen Prügeleien verantwortlich zeichnen. Sie kennen sich aus, Knippschild etwa ist Vorsitzender des Budo-Clubs Bad Arolsen und betreibt seit seinem sechsten Lebensjahr Kampfsport. „Es geht um die richtigen Bewegungen und eine auf die jeweiligen Darsteller angepasste Choreografie“, erklärt der 31-Jährige. Nicht jeder könne alles machen, der große Kräftige tue sich mit flinken Bewegungen beispielsweise schwerer als der kleine Drahtige. „Da muss man schon auf den individuellen Typ eingehen.“

Dass es funktioniert, beweisen Thomas Flenke und Trainer Henkelmann, die sich eindrucksvoll bekämpfen, ordentlich Bühnenstaub aufwirbeln und zeigen, wie authentisch eine Kampfszene aussehen kann, wenn die Choreografie sitzt. Das tut sie am Ende auch bei Hugo Steeman und seinem Schützling Mario Kurbjuweit. Vielleicht auch, weil der sich irgendwann doch lieber auf den Kampf, statt auf sein Kaugummi konzentriert.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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