Spangenbergerin erhielt falsche Alzheimer-Diagnose - Thema von ARD-Sendung

Spangenberg. „Wenn Sie die Diagnose Alzheimer bekommen, bricht für Sie die Welt zusammen“, sagt Herbert Schäfer. Der Spangenberger weiß es aus erster Hand: Ärzte stellten bei seiner Frau die Krankheit fest. Erst 18 Monate später erfuhr das Paar: Die Diagnose war falsch.

Knapp drei Jahre nach dem Tod seiner Frau will der frühere Journalist nun den Kampf gegen Pharmakonzerne und Ärzte aufnehmen. Diese macht er für die Fehldiagnose mitverantwortlich. Auch die ARD widmet sich dem Thema: „Das Alzheimer-Geschäft“ ist am Dienstag Thema im „Report Mainz“. Die Reporter besuchten auch Herbert Schäfer.

Im Jahr 2001 war Charlotte Schäfer mehrfach gestürzt und hatte sich den Arm gebrochen. Das Paar suchte einen auswärtigen Arzt auf. Der habe sich nach drei Minuten umgedreht und gesagt: „Herr Schäfer, Ihre Frau hat Alzheimer.“

Kritik am Umgang mit der Krankheit Alzheimer: Herbert Schäfer (77) hat durch seine Frau erfahren, was für Folgen eine Fehldiagnose hat. Foto: Gehlen

Doch die Schäfers hatten Zweifel an der Diagnose: „Ich habe zu meiner Frau gesagt: Solange Du noch deine Gedichte aufsagen kannst, kann das nicht stimmen“, erinnert sich Herbert Schäfer. Für das Paar begann eine Irrfahrt durch Deutschland: 18 Monate lang besuchten sie Spezialisten und Kliniken im ganzen Land. Die Diagnose sei immer gleich gewesen: Alzheimer. Allerdings habe er damals den Fehler gemacht, den ersten Befund auch den neuen Ärzten vorzulegen. Die hätten sich darauf beschränkt, die Meinung ihres Kollegen zu bestätigen.

Im Sommer 2002 kam dann die Erlösung: Im Marburger Uniklinikum habe man eine seltene Blickparese diagnostiziert. Die Bewegungsstörung ist mit der Krankheit Parkinson verwandt. Dass seine Frau mit teuren und falschen Medikamenten versorgt werden sollte, macht Schäfer wütend: „Wir haben so 18 Monate verloren.“

In den nächsten Jahren verschlechterte sich Charlotte Schäfers Zustand, 2009 starb sie. Ihr Mann Herbert pflegte sie bis zum Ende. Für ihn ist die Sache noch nicht vorbei: Der frühere Journalist hat recherchiert und sieht Missstände im Umgang mit der Krankheit Alzheimer.

Ein zentraler Vorwurf des Spangenbergers: Es gibt keinen Test, der eine 100 Prozent sichere Diagnose von Alzheimer erlaubt. Dies bestätigt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft in Berlin.

Trotzdem würden weiter solche Diagnosen gestellt und teure Anti-Alzheimer-Medikamente verordnet – teilweise mit Preisen von mehreren Euro pro Tablette. Das sei „verantwortungslos“, sagt Schäfer.

Er sieht einen Zusammenhang zwischen den veröffentlichten Demenzstatistiken, Fehldiagnosen, den hohen Medikamentenpreisen und der Arbeit einiger Organisationen, die Werbung für die Pharmakonzerne machten. Schäfer plant ein Buch zu schreiben: „Das gigantische Geschäft mit Alzheimer muss ans Tageslicht“, sagt er.

Von Göran Gehlen

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare