Kampf um die Steuern: Kabaretttheater Distel gastierte im Gudensberger Bürgerhaus  

Auch die Bundeswehr bekam ihr Fett weg: Martin Müller ( links) und Michael Nitzel sinnierten unter anderem über Taliban-Abschießen per Computer. Fotos: Eberlein

Gudensberg. Klare Ansagen machten die Darsteller des Berliner Kabaretts Distel am Donnerstagabend in Gudensberg mit ihrem aktuellen Programm. „Total versteuert“, lautete dieses und war im Bürgersaal nicht zu überhören.

Unterstützt durch die Livemusik von Tom Auffarth und Fred Symann, diskutierten die drei Kabarettisten über Steuer-Ungerechtigkeit, Steuerverschwendung und die „1001 Steuerschlupflöcher“ dieses Landes.

Als Berliner Finanzbeamte traten Stefan Martin Müller, Dagmar Jaeger und Michael Nitzel vor das Publikum. Die Beamten hatten zwischen Stapeln Steuerliteratur Platz genommen und waren in einen Hungerstreik getreten, die einzige Art des Protestes, die ihnen möglich erschien. Im Sitz- und Bummelstreik befänden sie sich schließlich schon in der regulären Arbeitszeit.

Das Steuersystem amüsiert: Dagmar Jaeger als eine der oberen Zehntausend.

Um ihrem Ärger über das deutsche Steuersystem noch mehr Ausdruck zu verleihen, nahmen sie die Zuschauer einfach als Geiseln. In szenischen Einschüben brachten sie unter anderem die familienfreundliche Bundeswehr, Steuerentlastung für Vermögende, Kriegsbeteiligung, Energiewende, Spionage und Lobbyismus aufs Tablett. Wesentliche Themen, an die sich die Regierung nicht herantraue, standen im Fokus und wurden zwar sehr amüsant, dabei jedoch nicht unscharf kritisiert.

Egal ob Babyschwimmen bei der Bundeswehr, „Taliban- Abschießen“ via Echtzeit-Computerspiel oder das Auffinden von Steuersündern, das Fazit der Drei lautete: „Der Staat gibt das Geld bescheuert aus.“

Wieso also nicht das Geld in die Schweiz bringen? „Geld ist etwas Schönes, und in der Schweiz, da verwöhnen sie es“, lautete ein Beitrag der beiden Musiker auf der Bühne. Steuerhinterziehung sei jedoch eine veraltete Taktik bei den vielen legalen Steuertricks, die es in Deutschland gebe.

Plötzlich sprach die Stulle: Kabarettist Michael Nitzel im Gespräch.

Welcher arme Finanzbeamte komme heute noch gegen die Steuererklärungen an, die von dreifach promovierten Steuerspezialisten verfasst wurden? Das sei so, als sagten zwei Polizisten in einem Smart, die mit 200 Stundenkilometer von einem Sportwagen in der Baustelle überholt würden: „Den schnappen wir uns!“

Von den vielen klaren Ansagen, die im Bürgersaal gefallen waren, stand am Ende des Abends der eindeutige Appell an das Publikum: „Mischen sie sich ein!“

Von Christl Eberlein

Quelle: HNA

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