Kanalbau wider Willen in Lohre: Anwohner der Karlstraße protestieren

Lohre. Nicht nur im Morschener Ortsteil Wichte gehen Anwohner auf die Barrikaden, wenn für die Kanalsanierung die Straße aufgerissen werden soll und sie für die Wiederherstellung zahlen müssen. Auch in Lohre regt sich Widerstand.

In der Karlstraße des Felsberger Stadtteils soll möglicherweise für Kanal und Wasser die Anliegerstraße komplett aufgerissen werden. Die Straße werde kaum befahren und sei zudem größtenteils Einbahnstraße, berichtet Rolf Krug, der dort wohnt.

Auch auf HNA-online wird das Thema schon rege diskutiert: Online-Nutzer QED schreibt: Zu zwei Dritteln führe die Straße an Gärten entlang. Er fragt auch, ob Firmen, die grabungslose Sanierungsmethoden (Inline-Verfahren) in Sachen Kanal beherrschen, überhaupt mit ins Boot geholt worden seien. Und: Hat sich die Stadt nur einem Ingenieurbüro anvertraut? „Gibt es überhaupt Videos von den Straßenabschnitten?“, fragt QED.

Bisher sei auf die Frage nach Videos der Kanalbefahrung des längsten Stückes und somit entlang der Gärten, von Seiten der Stadt nur ausweichend geantwortet worden, so Krug, und: „Die Anwohner haben ein Schreiben an die Stadt Felsberg gesandt, in dem sie sowohl den Nachweis der Notwendigkeit, als auch die TV-Aufnahmen anfordern.“ Die wurden bei der Anliegerversammlung nicht gezeigt, sagt Anlieger Walter Meyfarth. Notfalls würden die Anwohner auf eigene Kosten, wie in Wichte, den Kanal per Video untersuchen lassen. Was denn nun wirklich an ihrem Kanal defekt ist, erschließt sich den Anwohnern nicht.

Bei einem Baueinweisungstermin am Dienstag sei nur noch von defekten Muffen die Rede gewesen, berichtet Rolf Krug. „Undichte Muffen benötigen aber nach dem heutigen Stand der Technik nicht zwingend einen kompletten Straßenaufriss“, ist er sich sicher.

Und wenn die Karlstraße aufgerissen werden müsse, dann müsse sie nicht in ganzer Länge asphaltiert werden . Die Anwohner wären mit einer Schotterdecke und betonierten Fahrspuren im unteren Bereich der Straße zufrieden. Das würde die Gesamtkosten senken. Ansonsten kämen auf die Anlieger Kosten von jeweils etwa 12 000 Euro zu, sind sich Krug und QED einig.

Die Karlstraße in Lohre wird aufgerissen, um einen neuen Kanal zu verlegen. Der Auftrag ist an eine Firma bereits vergeben. Das macht Felsbergs Bauamtsleiter Paul Wieder deutlich. Noch nicht beschlossen sei aber, wie die Straßenoberfläche gestaltet werden soll. Wenn es der Wunsch der Anlieger sei und der Ortsbeirat zustimme, könne der untere Teil der Straße geschottert oder als Grasweg angelegt werden. Diese Variante wäre zwar neu in Felsberg, „aber wir nehmen die Anregung auf“, sagt der Bauamtsleiter.

Das so genannte Inline-Verfahren sei keine Alternative, sagt Wieder. 2006 seien die Kanäle untersucht worden. Dabei habe sich gezeigt, dass die Betonrohre einen Querschnitt von 25 Zentimetern haben, und es zahlreiche Verbindungsstellen gibt, die undicht seien. Es gebe Querrisse und Längsrisse oben, die auch die Statik gefährdeten.

Bei Anliegerversammlungen würden zumeist keine Bilder von Kanälen gezeigt, allenfalls einzelne Fotos, weil es ohnehin eine Flut an Informationen gebe. So sei es auch im März gewesen, als es um die Karlstraße und andere Straßen ging. (bmn)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare