Kandidaten im Portrait: Bürgermeister Pfeiffer rüstet sich für zweite Amtszeit

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Kochen als Ausgleich: Ralf Pfeiffer schaltet beim Kochen ab. Der Vegetarier steht häufiger am Herd als seine Frau Sonja. Am 25. März möchte der Bürgermeister von Bad Emstal seine zweite Amtszeit mit den Stimmen der Wähler besiegeln.

Bad Emstal steht vor der Wahl eines neuen Bürgermeisters. Drei Kandidaten haben sich bereit erklärt, dieses Amt übernehmen zu wollen. Wir stellen die Bewerber vor, die am 25. März, die meisten Stimmen auf sich vereinen wollen. Wir starten mit Ralf Pfeiffer.

Der Erdhaufen ist frisch. Ralf Pfeiffer steht auf der Terrasse seines Einfamilienhauses am Rande von Balhorn, die Hände vergraben in den Hosentaschen. Gelassen belächelt er das neuerliche Nachtwerk des Maulwurfs. „Wir teilen uns den Garten“, scherzt er und blickt zu den vielen dunklen Haufen auf der Wiese. Ihn zu vertreiben, dazu habe er kein Recht, findet er. „Schließlich war er vor uns hier.“

Dabei hat der Garten in den vergangenen fünf Jahren einen wichtigen Stellenwert für den Bürgermeister von Bad Emstal bekommen. Hierher zieht er sich zurück, wenn er entspannen will. Wenn er die Akten einmal vergessen und von der Kopfarbeit im Rathaus umschalten will auf körperliche Aktivität. „Eine Stunde Rasenmähen kann sehr befreiend sein“, sagt der 48-Jährige, der am 25. März eine zweite Amtszeit besiegeln will. Einen Plan B, für den Fall, dass ihn die Emstaler nicht mehr wollen, hat er nicht. „Das wird schon klappen.“

Zur Person

Ralf Pfeiffer verbrachte seine Kindheit in Sand. Inzwischen lebt er mit seiner Ehefrau in Balhorn. Vor sechs Jahren wählten die Bad Emstaler den 48-Jährigen erstmals zum Bürgermeister. Vor seiner Amtszeit arbeitete Pfeiffer, der keiner Partei angehört, 14 Jahre lang bei der Stadt Kassel als Diplom-Verwaltungswirt. Vor seinem Studium an der Fachhochschule für Verwaltung in Kassel war Ralf Pfeiffer als Maschinenschlosser bei der Emstaler Firma MAHO tätig. (ant)

Vor sechs Jahren war der Parteilose auf 67 Prozent gekommen. Seitdem habe sich sein Leben radikal gewandelt. 90 Prozent seiner Zeit drehe sich um die Einwohner. Er und seine Frau Sonja hätten einen guten Draht zu den Menschen. „Die Leute klingeln abends um neun und auch am Wochenende“, sagt Pfeiffer. Man müsse sich genau überlegen, ob man zu Hause in Jogginghose umherläuft, meint Sonja Pfeiffer augenzwinkernd. „Als Bürgermeister hat man einen Fulltime-Job, sieben Tage die Woche. Aber das ist okay“, sagt der Amtsinhaber, der von CDU, Bürgerliste und den Freien Wählern unterstützt wird. Beim Brötchenkauf erzählen ihm die Bewohner vom alten Baum vorm Fenster, der umzustürzen droht, von Schlaglöchern in der Straße und sie fragen, wann an der Bushaltestelle ein Mülleimer angebracht wird. „Aber genauso muss das sein. Ein bisschen ist man als Bürgermeister auch der Pfarrer“, sagt Pfeiffer, der im Jahr an bis zu 200 Geburtstagen gratuliert und oft als Ehrengast behandelt wird.

Man bekomme eine Menge von den Menschen zurück. Erst vor Kurzem hätten sich Eltern bei ihm bedankt, weil ihr Sohn nun seinen Weg gefunden habe. Vor einigen Jahren hatte er dem Jungen in einer orientierungslosen Phase einen Praktikumsplatz beim ASB vermittelt. Nun studiert er Medizin. Neben dem Zwischenmenschlichen, einer Seite, die er an seinem Job sehr schätzt, hat er mit dem Bürgermeisteramt noch eine andere Aufgabe übernommen. „Die Gemeinde muss vorankommen.“ Einiges sei auf den Weg gebracht. 300 Arbeitsplätze seien in Bad Emstal unter seiner Führung entstanden. Doch die gewerbliche Struktur müsse weiter verbessert werden. Ein Jugendparlament will er etablieren, die von ihm ins Leben gerufene Bürgerstiftung müsse mehr soziale Projekte anschieben. Große Chancen sieht er im Tourismus und im Ausbau der Erneuerbaren Energien. Diesen Job will sich Ralf Pfeiffer von niemandem abnehmen lassen.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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