Wahlkampftour der Kanzlerin

Bundeskanzlerin Merkel in Fritzlar: Die große Angie-Show

Fritzlar. Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Donnerstag zu Gast in Fritzlar. Die Bundeskanzlerin warb vor dem Dom um Stimmen bei der Bundestagswahl.

Sie ist fleißig. 60 Stationen hakt Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Wahlkampftour ab. Zwei Städte an einem Tag. Diesmal sind Minden und Fritzlar dran. Während sie um 17 Uhr im rund 200 Kilometer und zwei Autostunden entfernten Minden durch die applaudierenden Massen geht, warten in Fritzlar bereits die ersten Angie-Fans auf dem Domplatz. 

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Denn auch in Fritzlar stehen bereits die Bühnen. Die große für die Politiker und die andere, kleinere Bühne für die Band „Noble Composition“, die vor Merkels Auftritt spielt. Das ist in allen 60 Städten so. 

Vor der Bühne stehen Stuhlreihen. Das ist der Sicherheitsbereich – wer dort sitzt, hat sich anmelden müssen. Die meisten, die in Fritzlar Platz nehmen, gehören der CDU an. Alle anderen stehen. Die Junge Union verteilt Wahlwerbe-Tafeln. „Angie“ und „Gemeinsam stark“ steht darauf. 

Es gibt Bouffier-Popcorn und Getränkebecher mit dem Konterfei von Bernd Siebert. Die Marketing-Maschine läuft auf Hochtouren – eben in Minden, jetzt in Fritzlar, am Tag zuvor in Ulm und am Tag danach in Waren (Müritz) und Kiel. 

Und dann kommt sie: Die Menschen suchen ihre Nähe, und sie lässt sie für einen kurzen Moment zu. Spaziert winkend und lächelnd gemeinsam mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sowie Bundestagskandidat Bernd Siebert durch die Menge.

Video: Dangela kam zu früh

Schon geht sie wieder auf Distanz – sie steht auf der Bühne, ihrer ganz persönlichen Sicherheitszone. Macht Merkel so Wahlkampf, wie sie als Kanzlerin arbeitet? Strategisch, durchstrukturiert, möglichst geräuschlos und ohne Ecken und Kanten? Auch in Fritzlar erwähnt sie ihren Konkurrenten um das Amt des Bundeskanzlers, Peer Steinbrück, gar nicht erst und versucht stattdessen, für gute Stimmung zu sorgen.

Zuerst etwas heile Welt. Merkel sagt, dass Fritzlar ein tolles Städtchen sei, und sie winkt ein paar Kindern zu, die laut Moderator schon lange auf die Kanzlerin gewartet haben. Die Kinder winken fröhlich zurück. Dann der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt. Vor der Rede steht eine launige Plauderei. Bernd Siebert hatte zuvor von Merkels fraulichem Charme gesprochen.

Video: Dangela war auch da

Darauf angesprochen, schmunzelt die Kanzlerin, lässt sich aber nicht verunsichern: „Ich kenne mich mehr mit männlichem Charme aus.“ Das Publikum lacht. Es ist ihre Bühne. Ihr Abend. Das gilt zumindest vorne, wo vor allem Parteifreunde sitzen. Hinten am Dom, außerhalb des abgesperrten Bereichs, wird viel getuschelt, Jugendliche knutschen. 

Immer mal wieder gibt es Zwischenrufe von den Menschen, die Plakate und Transparente der eurokritischen Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) hochhalten. „Wo geht unser Geld hin?“, ruft einer. Als Merkel über den Frieden spricht und sagt: „Für uns Jüngere ist das selbstverständlich“, lacht ein Jugendlicher in der Nähe und wiederholt spöttisch: „Für uns Jüngere...“ 

Den vielleicht größten Applaus erntet die Kanzlerin, als sie mit einem Seitenhieb auf die Grünen-Pläne für einen Vegetarier-Tag sagt: „Wenn Sie wissen wollen, wann Sie Fleisch essen dürfen, ist das mit der CDU schwierig.“

Merkel spricht über Politik, über Mindestlohn, Ausbildung, Euro-Krise und ihre Regierung. Dann etwas heile Welt, sie spricht über die Zukunft der Kinder, und ein paar Jungen und Mädchen dürfen auf die Bühne. Demonstrative Gelassenheit ist Merkels Strategie, auch an dem Tag, an dem der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sein Sofortprogramm für eine mögliche Kanzlerschaft vorgestellt hat.

Von Maja Yüce und Olaf Dellit

Bilder aus Fritzlar

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Dangela: Daniel Ebert von Radio HNA als Angela Merkel in Fritzlar

Quelle: HNA

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