Diskoschlägerei: Angeklagter wurde in Prozess vor dem Amtsgericht freigesprochen

Nur die Kapuze war klar

Treysa. Jüngst musste sich das Amtsgericht Schwalmstadt noch einmal mit einer drei Jahre zurückliegenden Diskoschlägerei in Neukirchen beschäftigen. Da bei dem ersten Verhandlungstermin Anfang Dezember nicht alle Zeugen erschienen waren, ging der Prozess in die Verlängerung.

Im Gegensatz zum ersten Termin blieb man diesmal unter sich. Lediglich ein Zuschauer und das damalige Opfer wohnten der Verhandlung bei. Von vier geladenen Zeugen kamen drei. Wie schon am ersten Verhandlungstag, verfolgte der gut gekleidete 35-jährige Angeklagte aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis den Prozess aufmerksam und machte sich Notizen. Emotionen zeigte der Mann auch diesmal nur sehr wenig.

Ein mittlerweile im Ruhestand befindlicher Polizeibeamter berichtete dem Gericht von den damaligen Vernehmungen.

Die meisten Angaben zur Tat seien von Dritten gewesen, das Opfer selber habe sich an den eigentlichen Schlag nicht mehr erinnern können. Auch sei zunächst von zwei Männern die Rede gewesen, sagte der ehemalige Polizist.

Er könne sich nur noch sehr vage an die Schlägerei erinnern, sagte ein heute 24-jähriger Zeuge und hob entschuldigend die Hände. Er habe draußen gestanden und gesehen, wie zwei Männer - das Opfer und ein Kapuzenmann - an ihm vorbeistürmten. Bei der Kapuze sei er sich hundertprozentig sicher, mehr Details wisse er aber nicht mehr, erklärte der Zeuge.

Die ominöse Kapuze sollte auch in einer später verlesenen Zeugenaussage eine Rolle spielen. „Der offensichtliche Schläger hatte sich eine Kapuze übergezogen“, zitierte der Richter aus den Protokollen.

Da sein Mandant zum Tatzeitpunkt nachweislich andere Kleidung trug, legte die Verteidigung großen Wert auf diesen Punkt.

Die Aussage einer Anwältin war zwar auch für das Gericht eine Premiere: Die Juristin hatte im ersten Prozess einen zuvor beschuldigten Mann verteidigt und war von ihrer Schweigepflicht entbunden worden. Die damalige Verteidigerin berichtete dem Gericht von ihrer Prozessstrategie und den Gesprächen.

Von Anfang an habe ihr Mandant gesagt, der wahre Täter sei der heute auf der Anklagebank sitzende Mann, sagte die Juristin. Einen stichhaltigen Beweis für diese Aussage hatte die 36-Jährige aber auch nicht.

Aus Mangel an Beweisen beantragte der Staatsanwalt nach knapp zwei Stunden einen Freispruch. Die Beweisaufnahme habe zwar ergeben, dass der Angeklagte durchaus zu so einer Tat fähig sei, aber unter dem Strich blieben Zweifel. So habe der 35-Jährige in der Tatnacht nachweislich eine auffällige Jeansjacke getragen, befand der Jurist.

Die Verteidigung schloss sich dem Antrag der Anklage an, der Angeklagte wurde freigesprochen.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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