Experte für Brot

Handwerksmeister Karl-Heinz Winzig führt alte Backstube als Museum

+
Endlich fertig: Die Brote werden für 45 Minuten bei 350 Grad im alten Steinofen gebacken. Die Sauerteigbrote bereitet Bäckermeister Karl-Heinz Winzig noch nach einem alten Rezept zu.

Ehlen. Vieles hat sich verändert, dies gilt auch für die Berufswelt. Wir stellen einige altertümliche Berufe vor. Im Fokus stehen die Menschen, die teils noch wie vor 100 Jahren arbeiten. Karl-Heinz Winzig ist der Experte fürs Brot. Der Bäckermeister führt in Ehlen ein kleines Museum, in dem er das Handwerk erklärt.

Während sich die 100 Jahre alte Knetmaschine durch den Sauerteig kämpft, strömt der Duft von frisch gebackenen Brötchen aus dem heißen Ofen. Beim Zubereiten des Brotteiges kommt es nicht nur auf Geschicklichkeit und Kraft, sondern vor allem auf das richtige Timing an. Nur wenn die Ruhezeiten des rohes Brotteiges eingehalten werden und er bei einer bestimmten Temperatur in den Steinofen geschoben wird, werden die Brote von Karl-Heinz Winzig zu einem ganz besonderen Geschmackserlebnis. Der 74-jährige Bäckermeister betreibt ein Bäckerei-Museum in Ehlen.

Ein Traumberuf war das Herstellen von Backwaren für den Ehlener nicht. Sein Vater hatte einen Bäckerbetrieb, in dem der damals 14-Jährige seine Lehre begann. „Ich bin da so reingerutscht.“ Es sei ein Unterschied, ob man etwas machen muss oder freiwillig macht. „Heute mache ich das Backen aus freien Stücken, und das bereitet mir auch Spaß.“

Der 74-Jährige ist aber nicht nur Bäcker, sondern auch Konditor und Industriebackmeister. Karl-Heinz Winzig hat in seiner Berufszeit viel erlebt und Veränderungen mitbekommen. „Früher gab es nicht so viele Brot- und Brötchensorten wie heute.“ Das lag vor allem daran, dass damals die Leute selbst viel gebacken haben. „Früher wollten die Leute kein gerissenes Brot.“ Nicht wie heute, wo gerne Krustenbrot verzehrt wird, so der Bäckermeister.

Karl-Heinz Winzig sieht nicht nur Probleme mit dem fehlenden Nachwuchs in seinem Beruf, sondern auch einen Wandel in seiner Tätigkeit. „Früher war der Bäckerberuf geprägt von Handarbeit, weil es kaum Maschinen gab.“ Durch die Automatisierung habe man die Stückzahl erhöhen und den Preis senken können.

Für den 74-Jährigen liegen die Vorteile des handgemachten Brotes klar auf der Hand. „Das Brot hat durch die Steh- und Ruhezeiten einen speziellen Geschmack.“ Hefe und Sauerteig seien biologische Produkte, die diese Zeit benötigen. „Ich kann das alles mit Chemie beeinflussen, aber darunter leidet der Geschmack.“ An dieser Entwicklung sei der Verbraucher selbst Schuld, so der Ehlener. „Der Kunde verlangt nur billig, und legt keinen Wert auf Qualität.“

Suche nach Helfern 

Trotz aller Widrigkeiten in der heutigen Zeit übt der Beruf des Bäckermeisters auf Karl-Heinz Winzig seine eigene Faszination aus. „Das Besondere an dem Handwerk ist, dass man aus einigen Rohstoffen ein Produkt herstellen kann, das zum Verzehr geeignet ist.“ Der Ehlener selbst ist sein stärkster Kritiker. Sein Wissen und seine Erfahrungen möchte er an die junge Generation weitergeben und so besuchen oft Kindergarten- und Schulkinder den Ehlener. „Ich wünsche mir, dass es ein paar Nachfolger gibt, die mich hier im Museum unterstützen.“

Von Johanna Uminski

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare