Kein Zickenterror wie beim Tatort-Krimi "Tanzmariechen"

Karnevalsgruppen tanzen ohne Leistungsdruck

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Sie stehen gerne auf der Bühne: Die Garde-Tänzer des KCV Homberg bereiten sich ein Jahr lang auf ihre Auftritte am Karnevalswochenende vor. 

Homberg/Holzhausen. Mobbing, Zickenterror, Konkurrenzkampf: Die Karnevalsgruppen im Schwalm-Eder-Kreis vermeiden dies, indem sie ohne Leistungsdruck in der Karnevalssession tanzen.

Heike Fach-Jäckel

Der ARD-Tatort „Tanzmariechen“ hat ein düsteres Bild vom karnevalistischen Tanzen gezeichnet. Heike Fach-Jäckel hat den Krimi am Sonntag gesehen. Sie ist froh, dass beim Katholischen Carnevalsverein Homberg (KCV) andere Bedingungen herrschen. „Gott sei Dank, hat das Tanzen bei uns einen freundschaftlichen Charakter“, sagt die Koordinatorin der Tanzgruppen.

Auch bei den Gruppen der Karnevalsgemeinschaft Holzhausen/Hahn geht es um den Spaß am Tanzen und den karnevalistischen Auftritt. „Wir haben uns im Verein dagegen entscheiden, Turniere zu tanzen“, erklärt Carolin Ranft, Trainerin in Chefin der Abteilung. Beim Turniertanzen sähen alle aus „wie durch eine Schablone gezogen“. Da müssten die Tänzer gleich groß sein, gleich viel wiegen und gleich aussehen. Das sorge für großen Druck, dem sich die Holzhäuser nicht aussetzen wollten. Die Gruppen treten lediglich beim Freundschaftstanzen auf. „Dann sehen wir, was andere Gruppen machen. Ganz ohne Leistungsdruck“, erklärt Ranft. 80 Tänzer werden in Holzhausen von 18 Trainern betreut. Für sie geht es in den vier Wochen vor Rosenmontag richtig rund. Zum Höhepunkt der Session absolvieren sie dann schon mal elf Termine in zehn Tagen. Wenn dann jemand verletzt ist, kullern die Tränen. „Der Tänzer tritt dann nicht auf. Da haben wir eine Sorgfaltspflicht“, betont Ranft.

Der Grundsatz „krank ist krank“ gilt auch bei den 41 Tänzern des KCV Homberg. Bei den Hombergern fokussieren sich alle Vorbereitungen auf das kommende Wochenende. Dann stehen für die Sechs- bis 51-Jährigen Rathaussturm, Karnevalsshow und der Kinderkarneval auf dem Programm. Wer da mitmachen möchte, sollte ein Gefühl für Bewegung und Rhythmus mitbringen. Immer wieder melden sich Interessierte. Doch nicht jeder kann mittanzen. Der Verein prüft, wer zu ihm passt. „Wenn die Musik läuft und der Tanz beginnt, merkt man das“, sagt Jäckel. Konkurrenz innerhalb der Gruppe gäbe es jedoch – anders als im Film – im Homberg nicht.

Mit dem Aschermittwoch ist bei den Tänzern übrigens nicht alles vorbei. Im Homberg und Holzhausen gibt es nur eine kurze, schöpferische Pause. Danach steigen die Teams wieder ins Training ein. Einmal pro Woche proben sie. Getanzt wird das ganze Jahr über: auf Hochzeiten, Geburtstagen oder beim Stadtfest. 

Quelle: HNA

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