Rohbau steht

Nach Zerstörung 1945: Hauptturm der Löwenburg im Bergpark wieder aufgebaut

+
Außergewöhnliche Perspektive: Mithilfe einer Drohne hat man diesen spektakulären Blick. Zu sehen ist in der Mitte der rekonstruierte Bergfried der Löwenburg sowie die Gerüste für die weitere Sanierung. 

70 Jahre lang musste die Löwenburg ohne ihren Hauptturm auskommen, der 1945 stark beschädigt wurde. Jetzt steht der Turm wieder - zumindest als Rohbau.

Seit mehr als 70 Jahren hat niemand mehr diesen Ausblick gehabt. So lange musste die Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe ohne ihren Hauptturm, den Bergfried, auskommen. Kurz vor Kriegsende im Jahr 1945 wurde die Burg noch von einer Fliegerbombe getroffen und schwer beschädigt.

Jetzt steht der Turm wieder – zumindest als Rohbau. „Außen sind wir fast fertig, drinnen wartet noch viel Arbeit“, sagt Projektleiter Dieter Jakumeit vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen. Der Bergfried wurde jetzt bereits zum dritten Mal aufgebaut. Der erste große Turm aus dem 18. Jahrhundert hielt nur 50 Jahre, dann brach er zusammen. Zwar ist das gesamte Gebäude der Idealvorstellung einer mittelalterlichen Burgruine nachempfunden, doch so war das nicht gemeint. Der zweite Turm hielt dann bis 1945, der dritte steht jetzt im oberen Teil schon ohne Gerüst.

Blick zurück: So sah die Burg bis 1945 aus.

Deshalb kann man auch die rekonstruierte Aussichtsplattform erkennen. Selbst die vermeintlichen Schäden in der Brüstung wurden exakt rekonstruiert. „Es gibt Fotos und Zeichnungen, die wir als Vorlagen genutzt haben“, sagt Projektleiter Jakumeit. Jeder Stein des 30 Meter hohen Bergfrieds wurde nach exakten Maßen vorgefertigt. 

Vom Erdboden 30 Meter hoch: Die Baustelle der Löwenburg mit dem neuen Hauptturm.

Und zwar aus künstlichem Tuff, einer Neuentwicklung in Zusammenarbeit mit der Kasseler Universität. Dieser Tuff soll haltbarer sein als das Original und dazu beitragen, dass die Materialvorräte im benachbarten Tuffsteinbruch noch etwas länger halten. Schließlich braucht auch der Herkules eine Etage höher noch jede Menge Tuffsteine für die Sanierung.

Ungestörter Weitblick: Die Aussichtsplattform des Hauptturms wurde ebenfalls rekonstruiert.

Im neuen Turm der Löwenburg kann man bereits durch ein noch provisorisches Treppenhaus nach oben bis zur Aussichtsplattform gehen. Der Blick von hier ist grandios. Sowohl Richtung Schloss und Wilhelmshöher Allee als auch hinauf zum Herkules hat man eine tolle Rundumsicht. Es wird allerdings noch mindestens zwei Jahre dauern, bis der Turm für Besucher geöffnet ist.

Noch im Rohbau: Der Rittersaal, der vertäfelt und mit Originalmobiliar ausgestattet werden soll.

Vom großen Rittersaal bis zur Bibliothek und anderen Räumen steht noch viel Arbeit im Innenausbau an. Die Wartezeit lohnt sich, denn das gesamte Innenleben der Burg soll originalgetreu rekonstruiert werden. 30 Millionen Euro hat das Land als Bauherr dafür eingeplant. Die gesamte Einrichtung vom Mobiliar, über Bilder Teppiche und Sammlungen ist im Krieg ausgelagert worden. Jetzt ist absehbar, dass die Löwenburg bald wieder in altem Glanz erstrahlen wird.

Lesen Sie auch:  Kassels Bergpark ist jetzt Weltkulturerbe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare