Ohne Plastik

Eine saubere Sache: Kasseler Paar vertreibt Öko-Zahnbürsten aus Bambus

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Haben Erfolg mit ihrer Geschäftsidee: Vera Kothe und Patrick Massell haben in einem halben Jahr schon über 11.000 Zahnbürsten aus Bambus verkauft. 

Alles begann mit einem Selbstversuch: Patrick Massell aus Kassel probierte vor einigen Jahren aus, auf Plastik zu verzichten - und entwickelte daraus ein Geschäftsmodell.

Bei seinem Versuch fiel Massell (32) aus, dass es im kosmetischen Bereich kaum Alternativen gibt. So entstand die Idee, Zahnbürsten aus Bambus herstellen zu lassen und diese zu vertreiben.

Seit einem halben Jahr sind Massell und seine Partnerin Vera Kothe (24) im Geschäft und haben schon mehr als 11.000 Zahnbürsten ihrer Marke „Ökobrush“ verkauft.

Die Idee ist nicht ganz neu. Schon vorher gab es Holzzahnbürsten auf dem Markt. „Diese konnte man vor allem über das Internet bestellen, sie waren mit vier bis acht Euro aber relativ teuer. Ich habe mir gedacht, ökologisch muss nicht teuer sein“, sagt Massell. So nahm er Kontakt zu einem chinesischen Produzenten auf, der die Zahnbürsten aus Bambus günstiger herstellen konnte. Jetzt kosten sie – je nach Markt – zwischen 2,49 und 2,99 Euro. Das Material stammt vom Maso-Bambus, der extrem schnell wächst und ohne künstliche Bewässerung auskommt. „Er wächst bis zu 1,60 Meter am Tag“, erzählt Kothe.

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Als die ersten 5000 Zahnbürsten aus China geliefert waren und sich im privaten Arbeitszimmer des Paares im Fasanenhof stapelten, ging es an den Aufbau des Vertriebs. Im September 2018 steuerten die beiden als Erstes den nahegelegenen Edeka-Markt Wenzel an der Fiedlerstraße an. Das Paar betrat dabei Neuland. Denn Massell arbeitet noch bei VW in Baunatal und Kothe studiert Jura in Göttingen. Doch der Schritt sollte sich lohnen.

Produktpalette wird noch erweitert: Bisher gibt es Zahnbürsten in zwei Härtegraden und vier Farben.

Als es im Edeka gut lief, sprachen die beiden weitere Geschäfte an – darunter auch viele Biomärkte und auch Rewe-Filialen. Die Zahnbürsten gingen vielerorts schneller weg, als sie nachliefern konnten. „Es ist Wahnsinn, wie schnell sich das entwickelt hat“, sagt Massell. Inzwischen gibt es die Zahnbürsten in 47 Märkten – und mittlerweile auch über die nordhessischen Grenzen hinaus.

Das Paar arbeitet bereits an neuen Produkten: Eine Kinderzahnbürste wollen sie in den nächsten Wochen auf den Markt bringen und zudem eine Zahnbürste mit kleinerem Bürstenkopf. Aber auch Strohhalme aus Bambusrohr bieten sie bereits als „Ökohalm“ an. Diese sind stabil und mehrfach verwendbar. Eine Reinigungsbürste liegt der Packung bei.

Weitere Ideen sind: wiederverwendbare Abschminkpads, eine Reiseverpackung für Zahnbürsten aus Bambus und Bambus-Besteck.

Als Nächstes wollen die Kasseler sich eigene Firmenräume und weitere Mitarbeiter suchen. „Wir wachsen schnell“, sagt Massell. Bislang werden sie nur von ihrer Freundin Sina Witzel unterstützt. 

Leben ohne Plastik - gar nicht so einfach

Plastikfasten - diesem Selbstversuch hat sich WLZ-Redakteur Gerhard Menkel mit seiner Familie unterzogen. Im ersten Teil des Erfahrungsberichts beschreibt er, auf welche Hindernisse er und seine Familie beim Plastikfasten gestoßen sind. Im zweiten Teil des Erfahrungsberichts zum Plastikfasten beschreibt WLZ-Redakteur Gerhard Menkel, wie sich auch im Bad Verpackungen aus Plastik einsparen lassen.

Mehr Infos: www.oekobrush.de

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