Christen in der Region freuen sich auf Benedikt XVI.

Schwalm-Eder. Wer den Papst persönlich sehen möchte, muss früh aufstehen. Aus dem Dekanat Fritzlar fahren am kommenden Samstag 100 Christen in zwei Bussen nach Erfurt. Der Bus in Fritzlar fährt um 2 Uhr ab, der in Schwalmstadt um 2.15 Uhr.

Bis 7 Uhr müssen die Plätze auf dem Gelände des Gottesdienstes erreicht sein, um 9 Uhr beginnt die Messe. Bis dahin steht den Besuchern auch noch ein halbstündiger Fußmarsch bevor. Doch viele katholische Christen nehmen diese Strapazen auf sich, um das Kirchenoberhaupt einmal persönlich zu sehen. Gerade auch Ältere wollten deswegen gerne zur Messe, sagt Dechant Jörg Stefan Schütz (Fritzlar).

Er selbst wird nicht mitfahren, da er den Papst bereits vor einigen Jahren in Regensburg erlebt hatte. Es sei zwar ein Problem, dass die Gläubigen bei den Riesenmessen Benedikt XVI. aus der Ferne meist nur erahnen würden. Zugleich sei die Atmosphäre einmalig und von großem Zusammengehörigkeitsgefühl geprägt, sagt Schütz.

„Für viele Katholiken in der Region ist der Papstbesuch ein wichtiges Ereignis“, sagte auch Hubert Ziegler, Gemeindereferent in Gudensberg. Manche ältere Menschen scheuten jedoch die mühselige Anreise und würden wohl die Papstvisite eher vor dem Fernseher verfolgen. Auch für Ziegler sind die Messen vor allem ein Gemeinschaftserlebnis.

Wenig Verständnis haben die Geistlichen im Schwalm-Eder-Kreis für die Ankündigung, dass einige Abgeordnete der Ansprache des Papstes im Bundestag fernbleiben wollen. „Es ist sehr schade, dass sie ihren Landsmann so behandeln“, sagte Pater Florian Wiecziorek vom Oblatenkloster Ziegenhain.

Es müsse doch selbstverständlich sein, dass man sich auch Meinungen anhöre, denen man vielleicht nicht zustimmt, findet Gemeindereferent Hubert Ziegler. Zudem spreche Papst Benedikt im Parlament auch als Oberhaupt des Vatikanstaates. (ode/aqu)

Ansichtssache

Unsere Abgeordneten.... zum Auftritt des Papstes im Bundestag

Papst Benedikt XVI. wird am kommenden Donnerstag während seines Deutschlandbesuchs auch im Deutschen Bundestag sprechen. Einige Bundestagsabgeordnete wollen diesen Auftritt boykottieren. Wir fragten dazu die Bundestagsabgeordneten Bernd Siebert (CDU) und Dr. Edgar Franke (SPD).

Bernd Siebert: Ich werde auf jeden Fall im Plenum zugegen sein, wenn Papst Benedikt XVI. zu den Abgeordneten des Deutschen Bundestages spricht. Für mich als evangelischer Christ ist das ein historisches Ereignis. Ich durfte bereits Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Berlin persönlich kennenlernen. Bundestagspräsident Lammert hat in Absprache mit allen Fraktionen den Papst zu seiner Rede im Plenum eingeladen. Wir sind ein Land mit christlicher Tradition und stehen auf einem christlichen Wertefundament. Das bewusste Boykottieren des Oberhaupts der katholischen Kirche durch einige Abgeordnete ist deswegen ideologische Verblendung.

Dr. Edgar Franke: Ich werde selbstverständlich im Plenum des Bundestages sitzen, wenn der Papst sprechen wird. Für mich ist es ein Gebot des Respekts und der Höflichkeit gegenüber einem Staatsgast, der auf Einladung des Bundestages dort sprechen wird. Im übrigen darf nicht vergessen werden: Der Papst kommt nicht nur als Religionsführer. Benedikt XVI. kommt auch als Staatsoberhaupt des Vatikans. Als Protestant und politischer Mensch bin ich nicht immer mit allem einverstanden, was der Papst sagt und was die katholische Kirche vertritt. Es ist aber richtig, dass ein deutscher Papst vor dem Bundestag spricht. Man muss ihm zuhören und sich damit kritisch auseinanderzusetzen.

Quelle: HNA

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