Kirche ist seit Anfang des Jahres aus Sicherheitsgründen geschlossen 

600 Edermünder wollen katholische Kirche in Besse retten 

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Kämpfen für ihre Kirche: Regina Kiy und Bernd Henschel riefen mit Regina Raacke (nicht im Bild) eine Unterschriften-Aktion ins Leben, die großen Zuspruch bekam. 

Der mögliche Verkauf der katholischen Kirche ist ein Weckruf, der eine ganze Gemeinde in Bewegung gesetzt hat. 600 Edermünder stellten klar: Die Kirche soll im Dorf bleiben.

Die katholische Kirche „Maria, Mutter vom Guten Rat“ hat in ihrer vergleichsweise kurzen Geschichte schon viel erlebt. Zahlreiche Besser haben dort ihre Kinder taufen lassen, Sakramente empfangen und Ehen geschlossen. „Viele waren entsetzt darüber, dass die Kirche in Besse verkauft werden könnte“, sagt Regina Kiy.

Aus dieser Notsituation heraus rief sie zusammen mit Bernd Henschel und Regina Raacke eine Unterschriften-Aktion ins Leben, die ein klares Ziel hat: „Die Kirche soll im Dorf bleiben.“ Innerhalb von zwei Wochen kamen über 600 Unterschriften zusammen. Doch klar ist auch, das wird nicht ausreichen. Die Lösung soll ein neuer Förderverein bringen. Dieser könne bei der Sanierung mit anpacken, Spenden sammeln und vor allem ein Nutzungskonzept für die Kirche erarbeiten.

Sanierung wird teuer: Risse in der Decke und bröckelnder Putz  

Das Gebäude mitten im Ort müsste dringend renoviert werden. Bröckelnder Putz, Risse und Wasserschäden an der Decke sorgten dafür, dass die Kirche seit Anfang des Jahres aus Sicherheitsgründen geschlossen ist. Nach Gesprächen mit der Bistumsleitung in Fulda liegen die Kostenschätzungen für notwendige Arbeiten – vom Blitzschutz bis zur Treppenanlage – bei bis zu 60 000 Euro, sagen Kiy und Henschel. Das werde nicht reichen, befürchtet dagegen Pfarrer Simon Graef.

Die Kirchengemeinde habe jetzt schon viele Schulden und auch die Kirche in Gudensberg muss renoviert werden. In Besse ist seit den 80er-Jahren kein Geld mehr in das Gebäude investiert worden, daher ist die Sanierung dort deutlich teurer.

Absperrband in der Kirche: Regina Kiy und Bernd Henschel reisten mit Pfarrer Simon Graef zur Bistumsleitung nach Fulda. 

Einen Pluspunkt könne die Kirche für sich verbuchen, da sie als ökumenisches Projekt gilt. Das Gebäude aus dem Jahr 1957 wurde in einem gemeinsamen Kraftakt von Einheimischen erbaut. Vom Putz über die Elektrik bis zu den gespendeten Kirchenbänken entstand vieles in Eigenleistung – ein Symbol gelungener Integration der damals Vertriebenen aus dem Sudetenland. Die 600 Unterschriften sind für Kiy ein eindeutiges Signal: „Dieses Rieseninteresse der Öffentlichkeit darf man nicht ignorieren.“

Pfarrer werden bald zur Mangelware  

Über den Verkauf entscheidet der Pfarrgemeinderat. Aus Sicht der Bistumsleitung in Fulda seien mehrere Faktoren entscheidend, so Graef. Dabei geht es auch um die Frage: „Lohnt es sich, so viel Geld in ein Gebäude zu stecken, das so wenig genutzt wird?“ Nicht nur die Zahl der Gemeindemitglieder verringert sich stetig, es gibt auch immer weniger Pfarrer. Die Initiatoren der Unterschriften-Aktion machen deutlich, dass hierbei keine Gegner aufeinandertreffen. „Wir wollen unseren Pfarrer behalten und unterstützen, wir fürchten uns jetzt schon vor der Zeit, wo es keinen mehr in Edermünde gibt.“ Das könnte bereits innerhalb der nächsten zehn Jahre der Fall sein, weil die Pfarreien immer größer werden, erklärt Graef.

„Es geht darum, wieder Leben in die Kirche zu bringen“, betont der Pfarrer. In den letzten Jahren habe sich das Gemeindeleben vor allem in Gudensberg abgespielt. In Besse wurde die Kirche außer für Gottesdienste nicht genutzt. „Durch die Unterschriften-Aktion gibt es nun aber eine neue Situation“, sagt Graef. Mit der Initiative der Edermünder sehe er nun Hoffnung.

Eine Kirche für alle – Das sind die nächsten Schritte

Die 600 Unterschriften gegen den Verkauf der katholischen Kirche in Besse werden an die Bistumsleitung in Fulda geschickt. Doch um die Kirche zu erhalten, müssen realistische Ideen für die Nutzung her, sagt Pfarrer Simon Graef. Diese könnte der Förderverein liefern, der laut Regina Kiy bis zum Erntedankfest am 6. Oktober gegründet sein soll. 

Eine Idee für die Nutzung: Es sollen kulturelle Veranstaltungen stattfinden. „Man könnte die gute Akustik für Chorauftritte nutzen“, sagt Bernd Henschel. Am besten sei es, wenn die Kirche nicht nur von den rund 350 Katholiken in Besse genutzt wird, sondern für alle für Veranstaltungen zur Verfügung stehe. 

Doch vorher müssen die Sanierungskosten ermittelt werden. So muss unter anderem die Statik der Decke überprüft werden. „Wir kennen die finanzielle Situation der Kirche, ein Förderverein könnte einen Teil der Sorgen abnehmen“, sagt Kiy. Wenn das Nutzungskonzept und die Sanierungskosten geklärt sind, bestehe die Möglichkeit, dass sich das Bistum beteiligt, so Graef. 

Quelle: HNA

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