Aktion soll Autofahrer sensibilisieren und Todesopfer verhindern

24-Stunden-Blitz-Marathon: Kaum einer zu schnell

Geschwindigkeit im Blick: Das Messgerät zeigt das Tempo an.

Melsungen. Carl Heer legt den Finger auf den Abzug und drückt ab. Im Visier hat er ein Auto, das auf der Bundesstraße 253 Richtung Felsberg unterwegs ist. Die Radarpistole zeigt 65 Kilometer pro Stunde, erlaubt ist Tempo 70 „Gutschriften gibt es hier aber nicht“, sagt Heer lachend.

Gemeinsam mit sechs weiteren Kollegen der Polizeidienststelle Melsungen steht er auf dem Parkplatz gegenüber der Autobahnauffahrt auf die A 7 Richtung Kassel und misst beim Blitz-Marathon jedes Auto, das ihm vor die Linse kommt. Aber kein einziger Fahrer geht ihm ins Netz.

Dienstgruppenleiter Carl Schubert ist dennoch zufrieden. „Wir messen lieber ohne Verstoß, als einen Unfalltoten beklagen zu müssen“, sagt er. Schubert ist seit 32 Jahren im Dienst und hat schon viele Unfälle erlebt. Er weiß: „Ein tödlicher Unfall trifft nicht nur das Opfer, sondern etwa 100 weitere Menschen.“ Deshalb sei der Blitz-Marathon ein wichtiger Tag.

Kein Kavaliersdelikt

„Wir wollen mit dieser Aktion sensibilisieren. Sie ist keine Abzocke, sondern soll Schwerstverletzte und Getötete im Straßenverkehr verhindern“, erklärt er. Denn schon eine geringe Geschwindigkeitsüberschreitung könne tödliche Folgen haben: „Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Fahrzeug und einem Fußgänger mit 65 Kilometer pro Stunde sterben acht von zehn Fußgängern. Bei Tempo 50 hingegen überleben acht von zehn.“ 15 Kilometer pro Stunde, die über Leben und Tod entscheiden.

Mittags hatten er und seine Kollegen bereits zwischen Morschen und Heinebach kontrolliert, „Die höchste Messung lag dort bei 74 Kilometern pro Stunde in einer 70er-Zone“, sagt Heer.

Er ist speziell für die Bedienung des Radargerätes ausgebildet. Denn es ist gar nicht so einfach, die vorbeifahrenden Wagen zu blitzen. Das Kennzeichen das jeweiligen Autos muss genau in einem kleinen Ring liegen, den man sieht, wenn man durch das Gerät schaut. Nur dann funktioniert die Messung. Andernfalls sieht man Fragezeichen, die signalisieren, dass die Messung fehlgeschlagen ist.

Etwa 150 vorbeifahrende Pkw haben die Beamten im Laufe einer Stunde gemessen. Alle Fahrer haben sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten. Schubert wünscht sich, dass die Aktion nachwirkt. „Ich hoffe, dass die Leute denken, wenn ich heute nicht zu schnell fahre, dann bekomme ich’s vielleicht auch morgen hin.“

Von Nicole Schippers

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare