Absage wegen Landtagssitzung

Kein Auftritt in der Hessischen Landesvertretung: Fritzlarer Theatergruppe darf nicht spielen

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Szene aus „Der Drache“: Das Stück vom KultT-Theater war ein Erfolg und sollte in Berlin aufgeführt werden.

Fritzlar. Diesen Tag hatten sich die Laienschauspieler der KultT Theatergruppe dick im Kalender angestrichen: Am Mittwoch, 28. Juni, sollten sie in der Hessischen Landesvertretung Berlin vor Vertretern aus Politik und Kultur das Stück „Der Drache“ aufführen. Doch daraus wird nichts.

Für diesen Auftritt hatten die Ehrenamtlichen wochenlang geprobt, Urlaub genommen, Unterkunft und Bahntickets gebucht. Es wäre eine große Ehre für die 24 Ehrenamtlichen gewesen, eine Anerkennung ihrer Arbeit. Anlass ist der 125. Geburtstag des Bundes Deutscher Amateurtheater. Doch daraus wurde nichts. Der Termin in der Hauptstadt wurde von der Hessischen Staatskanzlei abgesagt.

„Aufgrund von unverrückbaren Terminkollisionen können wir an diesem Tag keine Veranstaltung in der Landesvertretung durchführen und müssen das geplante Gastspiel absagen“, heißt es in einer E-Mail, die der HNA vorliegt. Für Regisseurin Ulli Wandelt und ihr Team war das ein Schlag ins Gesicht. Frust und Ärger sitzen bei KulT tief.

Dabei stand am Anfang die Freude: Die Begeisterung war groß, als im März die Einladung kam. Die Aufführung bedeutete viel Spaß, aber auch jede Menge Arbeit. Es gab einiges zu organisieren. Das ging bei der Ausstattung los. Zwei Scheinwerfer und zwei Lautsprecher gibt es in der Landesvertretung. Die Fritzlarer sollten die Kosten gering halten und ihre eigene Ausrüstung mitbringen. „Das geht nicht, wir haben alles fest verbaut“, sagt Thomas Abram, der bei KultT für Licht und Ton zuständig ist. Er gab Berlin durch, was die Fritzlarer alles benötigen.

Eine weitere Baustelle war das Personal. Drei Darsteller konnten keinen Urlaub nehmen, für sie musste Ersatz gefunden werden. Das Stück „Der Drache“, in dem es um Tyrannei und Untertanengeist geht, wurde zuletzt im Winter aufgeführt. Für die Aufführung in Berlin wurden die Proben wieder aufgenommen – und auf die speziellen Bühnenverhältnisse angepasst. Drei Mal die Woche haben sich die Ehrenamtlichen getroffen, laut Wandelt insgesamt 600 Stunden investiert.

Als alles in trockenen Tüchern schien und die Einladungen fertig waren, gab es die Absage. „Es war für uns eine Riesenkeule“, sagt Abram. Er und Wandelt bedauern, dass es keine Begründung gab und der Termin ersatzlos gestrichen worden ist. Die Absage richte sich gegen alle, die sich ehrenamtlich engagieren und die Kultur am Laufen halten. 

Das sagt die Politik:

Hinter der Absage steckt ein Planungsfehler: Die Organisatoren haben zu spät bemerkt, dass am Mittwoch, 28. Juni, der Hessische Landtag tagt. Eine Regelung besagt, dass während der Plenarwoche keine Veranstaltungen wie die Aufführung in der Hessischen Landesvertretung stattfinden sollen. Den Abgeordneten und Ministern sollte schließlich die Möglichkeit gegeben werden, die Veranstaltung in Berlin zu besuchen, hieß es auf HNA-Anfrage von Dr. Michael Horn. Der Pressesprecher von Lucia Puttrich, Ministerin für Bundesangelegenheiten, bedauert den Fehler. Es gebe das Angebot, den Auftritt nachzuholen.

Hintergrund:

Damit die 600 Stunden ehrenamtliche Arbeit nicht umsonst waren, führt die KultT Theatergruppe das Stück „Der Drache“ noch einmal in der Fritzlarer Kulturscheune auf. Die Vorstellung beginnt am Donnerstag, 29. Juni, um 20 Uhr. Der Eintritt kostet zwölf Euro und soll Menschen zu Gute kommen, die vor Krieg, Folter und Verfolgung geflüchtet sind. Eine Partnerorganisation steht noch nicht fest. Karten gibt es bei der Touristinfo und im Internet, www.kulturscheune-fritzlar.de

Quelle: HNA

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